Thilo Sarrazin in Wien (Archivbild) © Herbert Naubauer/EPA/dpa

Der umstrittene Buchautor Thilo Sarrazin gibt den etablierten Parteien die Schuld am Aufstieg der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD). Er habe schon 2010 und 2012 in seinen Büchern auf "die Risiken einer falschen Einwanderung" hingewiesen, sagte Sarrazin der Bild und der BZ. Diese Hinweise seien aber nicht ernst genommen worden. "Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD diese Analysen ernst genommen und entsprechend gehandelt, so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht diese Wahlerfolge", sagte der frühere SPD-Politiker.

Konkret kritisierte Sarrazin, dass es bei den Parteien in der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik keine Unterschiede mehr gebe. Die Bürger sähen sich einer "Einheitsfront" gegenüber. Viele hätten das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können. "So wählten sie in der Stille der Wahlkabine die einzige Alternative, die ihnen auf den Stimmzetteln angeboten wurde." 

Ob sich die AfD längerfristig etablieren kann, hängt Sarrazins Ansicht zufolge vor allem von der CDU ab. Diese habe der AfD rechts von sich ein großes Wählerpotenzial überlassen. Wenn die CDU dieses Potenzial nicht besetze, werde sich dauerhaft eine mit der CSU unter Franz Josef Strauß vergleichbare konservative Partei in Deutschland etablieren.

Sarrazin hatte mit seinem Millionenbestseller Deutschland schafft sich ab 2010 eine Debatte über Integration entfacht und auch scharfen Widerspruch geerntet. Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Thesen den Weg für eine ausländerfeindliche Stimmung bereitet zu haben.

Landtagswahlen - Soll man die AfD ausgrenzen? Jetzt sitzt die AfD also in drei weiteren Landtagen. Andere Parteien dürften sie nicht länger ignorieren, sagen viele. Wirklich nicht?