Plagiatsaffäre - Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten Mit sieben zu einer Stimme hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) entschieden: Trotz der Plagiatsvorwürfe muss Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren Doktortitel nicht abgeben.

Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel trotz "klarer Mängel" behalten. Das hat die Medizinische Hochschule Hannover mit einer Gegenstimme entschieden. Der Titel werde der Ministerin nicht aberkannt, obwohl ihre Doktorarbeit Plagiate enthalte, teilte der Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover mit. "Es geht hier um Fehler, nicht um Fehlverhalten", was ein entscheidender Unterschied sei, sagte Christopher Baum. Das Muster der Plagiate spreche jedoch nicht für eine Täuschungsabsicht.

Die mit der Überprüfung der 1990 eingereichten Doktorarbeit beauftragte Kommission und der Senat der Hochschule hätten übereinstimmend "klare Mängel" im Wesentlichen in der Einleitung der Arbeit gefunden, sagte Baum weiter. Im zentralen Ergebnisteil der Arbeit seien jedoch keine Mängel festgestellt worden.

"Wir sprechen von Fehlern, für die Frau Dr. von der Leyen als Autorin der Dissertation verantwortlich ist. Konkret geht es um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen." Die Kommission habe eine "handwerklich nicht saubere Arbeitsweise" ausgemacht.

Fast ein halbes Jahr dauerte die Prüfung der 62 Seiten langen Arbeit mit dem Titel C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung. In das Verfahren wurden laut der Hochschule unabhängige externe Gutachter eingeschaltet, darunter zwei internationale Experten.

Die Internet-Plattform VroniPlag hatte darin auf 27 Seiten Textstellen gefunden, die aus fremder wissenschaftlicher Feder stammen sollen und nicht als Zitat gekennzeichnet wurden. Von der Leyen bat daraufhin die Universität um Prüfung der Vorwürfe. Hätte die Universität einen Verstoß gegen die Grundsätze guten wissenschaftlichen Arbeitens festgestellt, wären als Sanktionen der Entzug des Doktortitels oder eine Rüge infrage gekommen.

Bei einem Entzug des Doktortitels hätte die politische Karriere der 58-Jährigen auf dem Spiel gestanden. Vor ihr haben bereits drei Spitzenpolitiker Konsequenzen aus dem Verlust des Doktortitels gezogen und sind zurückgetreten. Der erste war Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vor ziemlich genau fünf Jahren. Es gibt auf Bundesebene keinen Spitzenpolitiker, der nach Entzug des Doktortitels im Amt blieb. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die CDU hatten von der Leyen bereits vor der Verkündung der Entscheidung vorsorglich den Rücken gestärkt. 

Von der Leyen (CDU) zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der Medizinischen Hochschule. "Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle", hieß es in einer Mitteilung. Sie sei froh, dass die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt.