Winfried Kretschmann vergangene Woche während einer Wahlkampfveranstaltung in Aalen © Thomas Lohnes/Getty Images

Ausgerechnet im Endspurt seines Wahlkampfs um den Verbleib im Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg bekommt es Winfried Kretschmann mit einem Störfeuer aus der eigenen grünen Partei zu tun: Sein Parteifreund Volker Beck wurde mit Drogen erwischt und ist von seinen Ämtern zurückgetreten. "Es ist ja schon ein schweres Fehlverhalten", urteilte Kretschmann darüber im ZDF. Er wisse zwar nicht, ob sich die Vorwürfe auf die Landtagswahl am 13. März auswirken. Aber: "Ich kann nur hoffen, dass jetzt solch ein einzelnes Fehlverhalten nicht auf alle übertragen wird. Davon gehe ich mal aus."

Am Mittwoch hatte die Berliner Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Ermittler 0,6 Gramm "einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz" bei dem Bundestagsabgeordneten Beck gefunden haben. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um die synthetische Droge Crystal Meth.

Volker Beck - Drogenaffäre sorgt bei Grünen für Diskussion Der Grünen-Politiker Volker Beck hat offenbar wegen einer Drogenaffäre alle Ämter niedergelegt. Sollte sich der Verdacht erhärten, es handle sich dabei um Crystal Meth, sei dies eine "schlimme Sache", sagte Parteichef Cem Özdemir.

Zu den Anschuldigungen selbst machte Beck bislang keine Angaben. Allerdings trat der innen- und religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag umgehend zurück – ein Schritt, für den er vom politischen Gegner Anerkennung bekam. "In der Drogenpolitik bin ich anderer Meinung als die meisten Grünen", twitterte Kanzleramtsminister Peter Altmaier von der CDU. "Aber Respekt für Volker Beck für die schnelle und klare Reaktion."

"Bei der Schwere der Vorwürfe auch angemessen"

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir begrüßte Becks Rückzug von seinen politischen Ämtern. Dieser habe "schnell die Konsequenzen gezogen, das ist bei der Schwere der Vorwürfe auch angemessen", sagte Özdemir dem Sender N24. Er hoffe nun darauf, dass sich die Angelegenheit schnell aufkläre.

Für die Grünen sei der Rückzug Becks allerdings auch ein Verlust, sagte Özdemir über Beck, der der Partei lange als Fraktionsgeschäftsführer gedient und sich in Deutschland im Kampf für die Rechte von Homosexuellen einen Namen gemacht hatte. Grundsätzlich sei so etwas "menschlich bedauerlich für jeden Kollegen", so Özdemir. Und seine Parteifreundin Renate Künast sagte im Sender RTL: "Schauen wir mal, um was es da eigentlich genau geht. Das ist keine schöne Sache, das ist klar."

Worte des Bedauerns fand Julia Klöckner während ihrer Wahlkampftour durch Rheinland-Pfalz. "Jemand, der Drogen nimmt, hat mein Mitleid", sagte die CDU-Spitzenkandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten in dem Bundesland. "Ich wünsche ihm, dass er wieder auf die Beine kommt." Viele aus der Partei der Grünen seien sehr schnell mit ihrer Beurteilung gewesen. "Ich will jetzt nicht den gleichen Fehler machen."