Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) mit Oliver Hildenbrand, dem Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, vor seinem Wahlkampf-Bus ©Bernd Weissbrod/dpa

Freitagsmarkt im Stuttgarter Vorort Sillenbuch, der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann verlässt gerade gut gelaunt den Fahrradreparaturstand, den sein Ortsverein aufgestellt hat: Wahlwerbung mal anders. Es ist Tag zwei, nachdem der Berliner Parteikollege mit Stuttgarter Wurzeln, Volker Beck, von der Polizei mit Drogen erwischt wurde.

"Bitter" nennt Hermann den Vorfall, meint damit aber nur Becks persönliches Schicksal. Im eigenen Heimatwahlkreis Stuttgart II sei die Drogensache kein Thema. Die Sillenbucher regen sich an diesem Mittag tatsächlich wegen anderer Dinge auf – zum Beispiel über Hermanns Okay zur Ausweitung der baden-württembergischen Teststrecken für sogenannte Gigaliner, also Riesenlastwagen. Hermann kontert in aller Gelassenheit. 

Dieser Tag brachte am Morgen noch eine andere Nachricht für die Grünen, die geradezu euphorisierend wirkt: Gemäß gleich zweier Wahlumfragen haben sie sich weiter von der CDU abgesetzt und sind nun deutlich stärkste Partei im Südwesten. Das ZDF-Politbarometer sieht die Grünen bei 32 und die CDU bei 30 Prozent. Infratest dimap verortet die CDU sogar bei lediglich 28 Prozent.

In umkämpften Wahlkreisen ist Beck doch Thema

Die örtliche Stuttgarter CDU-Landtagsbewerberin Stefanie Schorn sollte laut dem Terminkalender ihres Verbandes ebenfalls auf dem von Hochhaussiedlungen umstandenen Sillenbucher Marktplatz sein. Aber sie ist nicht gekommen. Für die ganze Landespartei kommentiert am Abend beim Parteitreffen in Ettlingen der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf die neuesten desaströsen Umfragewerte. Vom "Stahlbad" und einem "steinigen Weg" für die Südwest-CDU spricht er und ruft den Delegierten zu: "Jetzt erst recht."

An seiner Seite steht noch einmal Angela Merkel. Wolf gibt sich der Kanzlerin gegenüber diesmal merklich zugewandter als noch bei gemeinsamen Auftritten Mitte Februar, beschwört, es sei nicht die Zeit für "Denkzettel". Merkel ruft zur Geschlossenheit auf. "Gezählt wird zum Schluss", ermuntert sie. 

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Samstag in Ulm, die Einzelhändler gucken raus in den Regen, die Kundschaft eilt unter Schirmen durch die Fußgängerzone, kaum jemand bleibt an den Ständen der Parteien stehen. Der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde hat sich mit dem örtlichen Abgeordneten Jürgen Filius in den gut geheizten Weltladen gerettet. Für Bäder in der Menge ist es sowieso nicht der richtige Zeitpunkt. Beck? Das sei doch ein Medienthema, sagt Wahlkämpfer Filius. "Ich bin noch von keinem einzigen Bürger drauf angesprochen worden." Es handle sich um ein "individuelles Fehlverhalten" und das wüssten die Leute auch. Bonde sekundiert: Der Berliner Drogenfall spiele in diesem Landtagswahlkampf "überhaupt keine Rolle".

So leicht wie der Minister, der gerade nur als Helfer gefragt ist, weil er im Südwesten weder über einen eigenen Wahlkreis noch ein Landtagsmandat verfügt, nehmen das dann doch nicht alle. Gerade in den heiß umkämpften Wahlkreisen, wo eine Handvoll Stimmen über Direktmandate entscheiden kann, ist die Unruhe durchaus groß. Zum Beispiel in den Karlsruher Wahlkreisen Ost und West. Im Westen ist der grüne Bewerber Alexander Salomon vor fünf Jahren um hauchdünne 0,3 Prozentpunkte von der CDU-Frau Katrin Schütz geschlagen worden, im Nachbarwahlkreis errang die CDU mit 0,6 Punkten Vorsprung das Direktmandat. 

Jetzt, da es wieder eng zugeht, sagt Salomon, er gehe "nicht davon aus, dass das Thema im Landtagswahlkampf eine größere Rolle spielen wird". Die grüne Nachbarkandidatin Bettina Lisbach räumt ein, es habe zum Fall Beck eine "grüninterne Stellungnahme" gegeben und betont demgemäß: "Wir Grünen lehnen die Freigabe von Crystal Meth ab." Die Substanz sei "nicht mit einer liberalen Drogenpolitik in Verbindung zu bringen".