Die AfD legt ungeachtet der Kritik an ihrem Anti-Islam-Kurs weiter nach. "Die größte Bedrohung für Demokratie und Freiheit geht heute vom politischen Islam aus", sagte die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch antisemitische Übergriffe hätten heutzutage überwiegend einen islamistischen Hintergrund.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte von Storch den Islam als "politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist" bezeichnet. Ähnlich äußerte sich der zweite Vizevorsitzende der rechtspopulistischen Partei, Alexander Gauland.

Den Hitlerdeutschlandvergleich des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, wies von Storch zurück. Mazyek hatte gesagt, erstmals seit Hitlerdeutschland gebe es wieder eine Partei, die eine ganze Religionsgemeinschaft existenziell bedrohe. Von Storch bezeichnete die AfD dagegen als harmlos und erklärte: "Die Aussage ist eine Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Reiches."

Für ihre Thesen erntete die AfD scharfe Kritik und entschiedenen Widerspruch. So stellte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) klar: "Die Praxis hat gezeigt, dass die übergroße Mehrzahl der Muslime hier im Rahmen des Grundgesetzes ihre Religion ausübt." Merkel verwies zudem auf die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsausübung "und das gilt natürlich auch für Muslime in unserem Land".

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann warf der AfD eine "pauschale Verunglimpfung aller friedlichen Muslime" vor. "Das ist ein weiterer Versuch der AfD, die deutsche Gesellschaft zu spalten", sagte er der Rheinischen Post.

"Das ist religiöser Rassismus"

"Erneut wirft die AfD verbale Stinkbomben und verpestet den politischen Diskurs", sagte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir der Huffington Post. "In Deutschland gilt die Religionsfreiheit, selbstverständlich auch für Muslime. Es ist eine wichtige Aufgabe, den Islam in Deutschland einzubürgern."

Die Integrationsbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Cemile Giousouf, sagte dem Onlinemedium: "Auf ihrem Marsch nach Rechtsaußen hat die AfD jedes Maß verloren." Giousouf bezeichnete AfD-Politiker als "in der Wolle gefärbte Rassisten auf der Suche nach dem nächsten Aufregerthema".

Auch der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sprach in der Rhein-Neckar-Zeitung von Rassismus: "Was die AfD hier macht, ist religiöser Rassismus. Der Nachwuchs der AfD kommt aus rechtsradikalen Zirkeln und Seminaren." Der Verfassungsschutz sollte die Entwicklung der AfD genau beobachten.