Deutschland diskutiert über die Rente. Wieder einmal. Mit alarmistischen Überschriften wird über die Zukunft der Alterssicherung gesprochen und so der Eindruck vermittelt, als drohe weiten Teilen der älteren Bevölkerung schon bald das Schicksal, verarmt auf der Straße zu landen.

Es ist paradox, dass das in einer Zeit geschieht, in der die Renten so stark steigen wie seit 23 Jahren nicht. Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. Nur knapp vier Prozent der Rentner brauchen Leistungen der Grundsicherung. Altersarmut ist für die heutige Rentnergeneration nicht wirklich ein Thema.

Die jetzige Diskussion hat aber zur Folge, dass sich nicht diejenigen angesprochen fühlen, um die es eigentlich geht. Denn wirklich schwierig wird es für die heute 30- bis 50-Jährigen und den ihnen nachfolgenden Generationen. Sie werden zu einer Zeit in Rente gehen, in der auf einen Ruheständler nur noch zwei Beitragszahler kommen statt wie heute drei. 

Konkret bedeutet das: Im Jahr 2040 werden in Deutschland bis zu fünf Millionen Menschen weniger leben als heute. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung um bis zu vier Jahre und die Geburtenrate bleibt niedrig. Dass diese Entwicklung nicht ohne Folgen bleiben kann, liegt auf der Hand.

Von der Rente mit 63 profitieren Gutverdiener

Zwar gäbe es auch schon heute Bereiche, in denen tatsächlich Handlungsbedarf besteht: Erwerbsminderungsrente, Witwenrente, Rente für kleine Selbständige – punktuell gibt es Einiges zu tun. Doch anstatt zu schauen, was wem wirklich nützt, wird plakativ die Lebensleistungsrente oder die Rente mit 63 auf die Agenda gesetzt. Teure Projekte, die viel kosten und am Ende nur wenigen derjenigen helfen, die Hilfe brauchen. Am deutlichsten sehen wir diesen Effekt bei der Rente mit 63: Es profitieren vor allem gut verdienende Facharbeiter. Das kostet doppelt – fehlende Beitragszahlungen auf der einen und hohe Rentenzahlungen auf der anderen Seite. Der oft bemühte Dachdecker, der vielleicht schon mit 57 gesundheitlich so angeschlagen ist, dass er in seinem Job nicht mehr arbeiten kann, geht leer aus.

Die Rente mit 63 bedeutet darüber hinaus eine Umverteilung von ärmeren zu reicheren Rentnern, da die Rentenerhöhungen in den kommenden Jahren deutlich schwächer ausfallen werden. Zudem profitieren zu 85 Prozent Männer von der neuen Regelung. Das ist alles nicht wirklich gerecht.

Die Rentensystematik trägt bis 2030

Es liegt auf der Hand: Rente eignet sich nicht als Wahlkampfthema. Die Fragen sind zu komplex und die Herausforderungen für mehrere Generationen zu groß. Es geht nicht um kurzfristige Beruhigungspillen für die eigene Klientel, sondern darum, unser Rentensystem insgesamt auf den Prüfstand zu stellen.

Wir brauchen immer wieder neu den Mut, das heiße Eisen Rente mit Blick nach vorne anzupacken. In einer alternden Gesellschaft werden die Sozialsysteme immer angepasst werden müssen, weil wir nicht vorhersagen können, wie sich die Gesellschaft genau verändern wird.

Im Gegensatz zur Kranken- oder Pflegeversicherung wurde aber bei der Rente nach langen und intensiven Diskussionen eine Systematik gefunden, die bis 2030 trägt. Diese jetzt grundsätzlich infrage zu stellen, wäre fatal. Wir sollten die Notwendigkeit zusätzlicher privater Vorsorge nicht pauschal verunglimpfen.