Der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell wechselt nach seinem Rauswurf aus der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) im EU-Parlament in das Lager um die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Das kündigte Pretzell auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart an. Der nordrhein-westfälische Landessprecher der Partei ist der Lebensgefährte der Bundesvorsitzenden Frauke Petry.

In der vor knapp einem Jahr gegründeten Fraktion Europa der Nationen und der Freiheiten (ENF) sammeln sich Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Pretzell sagte, er hoffe, dass es noch in diesem Jahr gelingen werde, "eine große EU-kritische Fraktion im Europaparlament" zu gründen. Innerhalb der AfD ist eine Zusammenarbeit mit dem Front National umstritten. So hatte etwa Parteichef Jörg Meuthen Vorbehalte geäußert.  

Zur ENF gehören derzeit neben dem Front National die österreichische FPÖ, die Partei für die Freiheit (PVV) des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders und die italienische Lega Nord. Sie eint ihre Ablehnung der Zuwanderung und des Euro.

Grund für Pretzells Ausschluss waren seine fremdenfeindlichen Äußerungen in Bezug auf Flüchtlinge. Er hatte gesagt, der Einsatz von Schusswaffen zur Verhinderung der illegalen Einreise dürfe als letztes Mittel nicht ausgeschlossen werden.


Die zweite AfD-Europaabgeordnete, Beatrix von Storch, hatte die EKR freiwillig verlassen und war damit ihrem Ausschluss zuvorgekommen. Sie hatte sich der Fraktion "Europa der Freiheit und der direkten Demokratie" (EFDD) um den britischen Europagegner Nigel Farage und dessen Ukip-Partei angeschlossen.