In Stuttgart steht die grün-schwarze Regierung: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) präsentierte sein neues Kabinett. Vizeministerpräsident und Innenminister wird der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl. Der bisherige Bundestagsabgeordnete wechselt dafür aus Berlin nach Stuttgart.

Auch der CDU-Spitzenkandidat und Wahlverlierer Guido Wolf bekommt einen Posten: Er wird Justizminister. Damit setzte sich Wolf gegen parteiinterne Kritiker durch, die seinen Rückzug gefordert hatten. Bei den Landtagswahlen am 13. März hatte die langjährige baden-württembergische Regierungspartei CDU mit 27 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Sie wird nun Juniorpartner unter den erstplatzierten Grünen – was Kandidat Wolf selbst noch Tage vor der Wahl ausschloss.

Laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung wollte Wolf allerdings lieber Wirtschaftsminister werden. Wirtschaftsverbände hatten dem aber widersprochen. Er sei dennoch nicht enttäuscht, sagte der frühere Verwaltungsrichter in Stuttgart.

Neue Finanzministerin wird die bisherige Fraktionsvorsitzende der Grünen, Edith Sitzmann. Sie übernimmt den Job von SPD-Landeschef Nils Schmid. Sozialminister wird der bisherige grüne Landtagsabgeordnete Manfred Lucha.

Drei Grüne behalten ihren Job: Winfried Hermann bleibt Verkehrsminister, Theresia Bauer Wissenschaftsministerin und Franz Untersteller Umweltminister.

Der grüne Hoffnungsträger Alexander Bonde hatte vergangene Woche angekündigt, aus dem Kabinett ausscheiden zu wollen. Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz war für das neue Kabinett als Finanzminister im Gespräch. Er verzichtete nun aber wegen Gerüchten um eine außereheliche Liebesaffäre auf sein Amt, auch um seine Familie zu schützen, wie er sagte.

Eine politische Newcomerin als Wirtschaftsministerin

Die CDU schickt ebenfalls fünf Minister ins Kabinett. So wird die bisherige Stuttgarter Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann neue Kultusministerin. Der frühere Fraktionschef Peter Hauk wird Agrarminister und Nicole Hoffmeister-Kraut Wirtschaftsministerin. Die Diplomkauffrau kommt aus der Wirtschaft, sie ist Gesellschafterin und Mitglied im Aufsichtsrat des Waagen-Herstellers Bizerba und war zuvor Analystin bei Ernst&Young. Bei den zurückliegenden Landtagswahlen kandidierte sie das erste Mal für ein Mandat im Parlament.

Kretschmann will sich am Donnerstag vom Landtag erneut zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Sein künftiger Vize Strobl sagte: "Aus der CDU wird's jedenfalls keinen Gegenkandidaten geben."

Das zweite Kabinett Kretschmann ist kleiner als die erste grün-rote Ministerriege. So sparte Grün-Schwarz das Integrationsministerium ein und verteilte dessen Aufgaben auf Sozial- und Innenministerium.

Eine grün-schwarze Koalition ist eine Premiere für Deutschland. Vergangene Woche hatten Kretschmann und Strobl den gemeinsamen Koalitionsvertrag präsentiert. Das Land Baden-Württemberg will in den kommenden Jahren hart sparen, aber auch Investitionen in die digitale Infrastruktur tätigen. 1.500 neue Polizisten sollen eingestellt werden, die grünen Gemeinschaftsschulen erhalten bleiben.