Man weiß nicht, wie viel Kritik sich Sahra Wagenknecht hätte anhören müssen auf dem Parteitag der Linken in Magdeburg. Für ihr provokantes Reden von den erreichten Kapazitätsgrenzen Deutschlands in der Flüchtlingskrise, von der Endlichkeit der Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung. Obergrenzen für Flüchtlinge, Abschottung nach außen – das ähnelt dem Vokabular der Flüchtlingsfeinde, dem der Rechtspopulisten der AfD. Und das stößt bei vielen Linken auf Kritik.

Unter den Delegierten rechnete man durchaus mit Parteitagsteilnehmern, die sich vorbereitet hatten, Wagenknecht am Mikrofon die Meinung zu geigen. Und mit solchen, die ihr beispringen wollten, weil sie ebenso davon überzeugt sind, dass die Linke die Politik der bedingungslos offenen Grenzen beenden sollte. Doch ein Tortenangriff auf Sahra Wagenknecht legte die Debatte lahm.

Parteichef Riexinger musste seine Rede unterbrechen, weil ein Mann nach vorn gestürmt war, Flugblätter herumwarf und Wagenknecht eine Schokoladentorte ins Gesicht schleuderte. Die Bundestagsfraktionschefin verließ den Tagungsort, der Täter wurde festgehalten. Später bekannte sich die selbst ernannte "Antifaschistische Initiative" zu dem Angriff und begründete ihn mit Wagenknechts Kurs in der Flüchtlingspolitik.

Zur Diskussion am Nachmittag standen zwei Leitanträge, mit denen die Linke ihre Ziele präzisieren und so den Zulauf zur AfD eindämmen will. Der Reichtum soll umverteilt, Großverdiener stärker besteuert und die Merkelsche Sparpolitik beendet werden. Zudem will die Partei eine "sanktionsfreie Mindestsicherung" einführen und stärker gegen Rechtsextremismus ankämpfen. 

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch rief seine Partei zu klarer Kante gegen die AfD auf. "Wir müssen die konsequente Auseinandersetzung mit der AfD annehmen", sagte Bartsch.

Die Debatte dazu blieb friedlich, kaum einer griff die attackierte Fraktionschefin Wagenknecht direkt an. Die Wortmeldungen der Delegierten drehten sich um die Frage, ob die SPD die Kurve kriegt und auch darum, wie die Linke für Koalitionen mit den Grünen anschlussfähig wird.

Die Berlinerin Lucy Redler positionierte sich entschieden gegen Abschiebungen, wie sie die rot-rote Landesregierung in Thüringen unter dem Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow vollzieht. Es zeige sich, das man mit der SPD nicht kooperieren dürfe, sagte sie. Dann nämlich würden "Menschen nachts aus den Betten gerissen werden", um sie abzuschieben.

Weitere Delegierte attackierten die Bundesregierung aus Union und SPD, forderten die Auseinandersetzung mit der Konkurrenz der AfD und warnten vor antieuropäischen Ressentiments. Positionen, wie es auch in den Reden und Papieren der Parteichefs Bernd Riexinger und Katja Kipping zu hören und zu lesen waren. Unstrittig im Vergleich zu dem, was Wagenknecht fordert.