"Nie war mehr Anfang als jetzt". Die Worte des US-amerikanischen Dichters Walt Whitman treffen auf keine deutsche Partei so sehr zu wie auf die SPD. Es ist wieder Zeit für mehr Anfang. Es ist Zeit für eine europäische Idee der Sozialdemokratie. Zeit für einen Kanzlerkandidaten Martin Schulz

Martin Schulz ist der stärkste Kandidat, den die SPD zu bieten hat. Als Mr. Europa denkt er Politik im richtigen Kontext – dem europäischen. Der Präsident des Europaparlaments steht für die großen Zusammenhänge. Mit Schulz kann er gelingen, der Neuanfang.

Ein Jahr vor der Bundestagswahl geht es für die SPD darum, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Kanzlerkandidat muss den Genossen Orientierung und Perspektive geben, der Partei Authentizität verleihen.

Unerschütterlich und streitbar

Wenn Martin Schulz sagt: "Lieber Herr Erdoğan, Sie sind einen Schritt zu weit gegangen. So nicht!", so steht dieser Satz doch gerade für den Klartext, den viele und vielleicht besonders die Jüngeren nach zehn Jahren Merkel-Regierung vermissen. "Wir sind dabei, den europäischen Geist in die Tonne zu treten" – hier finden wir doch wieder die Ehrlichkeit, die wir in der Politik so oft verloren glaubten. Politische Vorbilder sind heutzutage rar gesät. Von guten Rednern ganz zu schweigen. Martin Schulz ist beides. Bei ihm hat man das Gefühl, dass es sich endlich wieder lohnt, zu streiten.

Schulz ist ein unerschütterlicher Europäer: "Wenn wir uns in unsere Einzelteile zerlegen, dann versinkt Europa in der Bedeutungslosigkeit", sagt er und appelliert unermüdlich an den europäischen Zusammenhalt. Für ihn ist die EU nicht nur eine Wirtschaftsunion. Es gibt eben nicht nur die "Technokraten" da in Brüssel. Martin Schulz füllt die europäische Idee mit Leben, glaubt an die Wertgesellschaft. Für ihn ist Europa nicht weniger als "die Hoffnung auf eine bessere Zukunft" und er will das "verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen, Europa endlich verstehbar machen, Europa ein vertrautes Gesicht geben". Genau das ist es, was nicht nur Europa, sondern auch die SPD braucht: Vertrauen, ein vertrautes Gesicht und wieder ein lebhaftes Streiten für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Mit Martin Schulz hat die SPD die Chance über Nationalstaatsgrenzen hinauszudenken. Was bedeuten die Grundwerte der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität eigentlich im Kontext einer immer globaler werdenden Welt? Was bringt uns langfristig die alleinige Energiewende, eine Finanztransaktionssteuer oder ein höherer Arbeitnehmerschutz, wenn diese nicht auch im europäischen Verbund gesichert werden?

"Es ist Zeit, für Europa zu kämpfen"

Unter einem Kandidaten Schulz könnte sich die SPD als starke pro-europäische Kraft präsentieren, die sich konsequent für ein gerechteres, innovativeres, demokratischeres, schlicht ein besseres Europa einsetzt. Eine solche Kraft könnte die europäische Sozialdemokratie einen und zeitgleich im nationalstaatlichen Kontext europäisch handeln. 

Natürlich, mit Europa allein gewinnt man keine Wahlen. Ich bin überzeugt: Bei allen Themen, ob Digitalisierung, Zuwanderung, Arbeitsplatzsicherheit und vielleicht sogar endlich neuen Bildungskonzepten für die Republik kann man die Wahlen nur mit einem europäischen Fokus gewinnen. Denn wer Europa nicht mitdenkt, hat die Zukunft nicht im Blick.

Schulz kann die Menschen begeistern. Und er kann zuhören, verstehen, wahrnehmen. Auf dem vergangenen Europatag sagte er: "Es ist an der Zeit, für Europa zu kämpfen" und forderte uns auf, für Europa aufzustehen. Tatsächlich schien ein Ruck durch die Reihen zu gehen.

Genau das braucht ein Kanzlerkandidat der SPD, der die Partei in dieser nicht so einfachen Phase motivieren muss. Schulz ist ein Experte für schwierige Aufgaben: Wer täglich einen ganzen, komplexen Kontinent mit seiner Leidenschaft und Optimismus einen soll, der scheut auch vor der SPD nicht zurück. Diese Fähigkeit zur Leidenschaft wird in der SPD dringender gebraucht denn je.