CSU-Chef Horst Seehofer hat die Kritik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am unionsinternen Streit zurückgewiesen. "Die CDU kann gerne flächendeckend in 15 Landesverbänden jeden Tag zur Geschlossenheit mahnen. Aber ich gebe meine Überzeugung für die Zukunft unseres Landes nicht auf", sagte der bayerische Ministerpräsident den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Und da wird mich niemand mundtot machen."

Schäuble hatte der CSU Attacken gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen. "Ich habe überhaupt keine persönliche Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin", sagte Seehofer. "Angela Merkel und ich haben die wenigsten Probleme, wenn wir beide persönlich beieinander sind. Schwierig wird es immer, wenn andere die Bühne betreten."

Seehofer sagte, er wolle auch künftig eng mit Merkel und der CDU zusammenarbeiten. "Ich bin ein alter Parteisoldat und weiß um meine Verantwortung in der Unionsfamilie – genauso wie die Kanzlerin." Nun gehe es für die Union darum, Vertrauen zu gewinnen. "Vertrauen gewinnt man über Themen. Das geht nicht auf Knopfdruck, sondern mit Geduld und Klartext. Die Kanzlerin und ich sind entschlossen, das in den nächsten Monaten leisten zu wollen."

Kauder fordert ein Ende des Streits

Die Führungen beider Schwesterparteien wollen am 24. und 25. Juni zusammen tagen, um die seit Monaten andauernde Entfremdung zu beenden. Zum offenen Zerwürfnis ist es vor allem wegen der Flüchtlingspolitik der gemeinsamen Bundesregierung gekommen, die die CSU scharf attackiert.

Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte ein Ende der Auseinandersetzung. Beide Parteien müssten "gemeinsam agieren, dann sind beide stark. Deswegen müssen die wöchentlichen Attacken auf die Kanzlerin aufhören", sagte Kauder der Freien Presse. Kauder rief dazu auf, ein gemeinsames Bundestagswahlprogramm im kommenden Jahr aufzustellen. Dazu müssten sich beide Parteien "vielleicht erst einmal stärker daran erinnern, was uns verbindet und was wir aneinander haben. Dann werden sich auch die offenen Punkte lösen lassen."