Sie zünden Kerzen vor der schwarzen Madonna von Tschenstochau an und knien lange auf dem Steinboden, bevor sie sich in die Kirchenbank setzen. Keine andere Institution in Deutschland bringt so viele polnischstämmige Menschen zusammen wie die katholische Kirche.

Wenn in der Kirche St. Paul in der Kölner Südstadt das Gemälde vom barmherzigen Jesus am Altar lehnt, gehört die Kirche den Polen. An diesem Freitagabend sind 40 Gläubige gekommen, sonntags sind es oft mehr als 400. Laut Pfarrer Janusz Kusek besuchen jede Woche um die 1.800 Menschen die sechs polnischen Gottesdienste, die es in Köln gibt.

Polen wandern seit Jahrzehnten nach Deutschland ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten einige Zehntausend über, die mehrheitlich die deutsche Staatsangehörigkeit zugesprochen bekamen. In den 1970er Jahren, als sich die Lebensverhältnisse im sogenannten Ostblock schlechter entwickelten als in Westeuropa, setzte eine Bewegung ein, die seitdem nicht abgerissen ist. Mittlerweile leben 1,25 Millionen polnische Einwanderer in Deutschland und weitere 1,6 Millionen Menschen mit polnischem Migrationshintergrund. Die Polen sind nach den Türken die zweitgrößte Migrantengruppe in Deutschland.

Trotzdem gibt es in Deutschland kaum polnische Kulturvereine oder Verbände, die den Polen eine Stimme geben. Die Familien, die in den 1980er Jahren nach Deutschland kamen, haben ihr Recht auf Mitsprache in der Gesellschaft bislang kaum eingefordert. Die wenigen Organisationen, die es gibt, stammen aus der Nachkriegszeit. Das moderne polnische Leben repräsentieren sie nicht.

Die Polen kamen als Flüchtlinge oder auf der Suche nach einem besseren Leben nach Deutschland. Ihre Geschichten handeln von langen nächtlichen Autofahrten, von Monaten in Notunterkünften – und vom sozialen Abstieg. Viele Akademiker verließen das Polen vor der Wende, weil es ihnen zu wenige Möglichkeiten bot. In Deutschland angekommen gab es aber dann Probleme mit der Anerkennung der Bildungsabschlüsse. Außerdem sprachen die wenigsten Migranten Deutsch, denn in den polnischen Gebieten mit deutscher Minderheit war es zeitweise verpönt gewesen, öffentlich Deutsch zu sprechen. Selbst jene, die wegen eines deutschen Vorfahrens Anrecht auf die Staatsbürgerschaft hatten, hatten darum oft Mühe, ins Arbeitsleben zu finden.