Wir brauchen einen neuen Umgang mit Afrika und der arabischen Welt, fordert Wolfgang Schäuble (CDU) im Interview mit der ZEIT. "Afrika wird unser Problem sein, wir müssen diese Aufgabe annehmen", sagt der Bundesfinanzminister. "Hart gesagt, hat uns der Mittlere Osten Afrika vom Hals gehalten. Das ist jetzt vorbei." 

Mehr Investitionen im Irak, in Syrien und in Libyen seien nötig, um die Fluchtursachen wirksam zu bekämpfen. "Und dann werden wir in der Subsahara mehr für deren Entwicklung bezahlen müssen", sagt Schäuble weiter.

Die reichen Länder müssten sich viel mehr den benachteiligten Regionen zuwenden. Er werde gelegentlich von seinen G-7-Kollegen belächelt, wenn er für mehr Unterstützung der Ökonomien des Südens plädiere. "Das passt manchem nicht, wenn ich das sage", so Schäuble.

Auch der Idee, Europa könne sich gegenüber der Einwanderung abschotten, erteilt der Bundesfinanzminister eine klare Absage: "Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe. Für uns sind Muslime in Deutschland eine Bereicherung unserer Offenheit und unserer Vielfalt. Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen! Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial!"

Mit Blick auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA zeigt sich Schäuble außerdem besorgt über den Zustand der US-amerikanischen Demokratie, die seiner Meinung nach "mehr eine Plutokratie des großen Geldes als eine Demokratie" sei.

Die Lange Nacht der ZEIT - Wolfgang Schäuble im Gespräch mit Josef Joffe und Roman Pletter © Foto: Zeit Online