Mehr und mehr Deutsche sind der Meinung, eine EU-Mitgliedschaft habe für Deutschland mehr Vorteile als Nachteile. Das ist das Ergebnis des Deutschlandtrends der ARD. 52 Prozent der Befragten sehen die Staatengemeinschaft eher positiv. Das sind 13 Prozent mehr als bei der vorherigen Umfrage, die unmittelbar vor dem Brexit-Referendum durchgeführt worden war, in dem die Briten entschieden, die EU zu verlassen.

Es ist das erste Mal, dass im Deutschlandtrend mehr Deutsche die EU-Mitgliedschaft ihres Landes positiv denn negativ bewerten. Die ARD fragt vor Europawahlen regelmäßig danach, wie Vor- und Nachteile bewertet werden. So sahen 1999 nur 20 Prozent Vorteile, 27 Prozent überwiegend Nachteile und 49 Prozent waren unentschieden.

Die Ergebnisse der Umfrage werden auch im Politbarometer des ZDF bestätigt. Dort antworteten 51 Prozent der Befragten, dass eine EU-Mitgliedschaft Deutschlands mehr Vor- als Nachteile habe. Auch fordert demnach fast jeder zweite Befragte, 49 Prozent, dass die Mitglieder der Staatengemeinschaft sich enger zusammenschließen sollten. 37 Prozent befürworten es, wenn die Staaten künftig souveräner werden würden.

Gleichzeitig fürchten fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent), dass EU-feindliche Parteien in Europa bedeutender werden. 31 Prozent glauben nicht daran. Auch glaubt mehr als jeder zweite Befragte, 56 Prozent, dass keine weiteren Staaten die EU verlassen werden. Dass die Europäische Union bald weniger als 27 Mitgliedsstaaten haben könnte, fürchten 41 Prozent der Befragten.

Am 23. Juni hatten 51,9 Prozent der Briten für den Brexit gestimmt, also dafür, dass ihr Land die Europäische Union verlässt. Großbritannien wäre das erste Land, das die Staatengemeinschaft verlässt. Große Fragen, etwa ob ein Land in der EU bleibt oder nicht, bewerten die Befragten kritisch. Nur 42 Prozent glauben, dass Volksentscheide die besseren Entscheidungen bringen.

Union und SPD legen zu

Was die politische Stimmung in Deutschland betrifft, legen die Regierungsparteien leicht zu, die rechtspopulistische AfD verliert dagegen. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union laut Politbarometer unverändert auf 34 Prozent und die SPD würde um einen Punkt auf 23 Prozent zulegen. Im Deutschlandtrend gewinnt die Union zwei Punkte und liegt bei 34 Prozent, die SPD legt um einen Punkt auf 22 Prozent zu.

Die AfD würde sich laut Politbarometer um einen Punkt auf elf Prozent verschlechtern, im Deutschlandtrend verliert sie sogar drei Punkte und liegt nun bei zwölf Prozent. Die Grünen legen im ZDF einen Punkt auf 13 Prozent zu, in der ARD kommen sie unverändert ebenfalls auf den Wert. Im Politbarometer kommt die Linkspartei unverändert auf neun Prozent, die FDP kann weiter mit sechs Prozent rechnen. Im Deutschlandtrend verharren Linkspartei und FDP bei neun und sechs Prozent.

Das Urteil der Deutschen über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fällt wieder deutlich besser aus. Ihre Zustimmungswerte stiegen in beiden Umfragen erheblich an. Im Deutschlandtrend erhöhte sich die Zustimmung zu Merkel um neun Punkte auf 59 Prozent. Dies ist ihr bester Wert seit September 2015. Vor ihr liegen allerdings noch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit einem Zustimmungswert von 74 Prozent und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 64 Prozent.

Die Liste der beliebtesten Politiker im Politbarometer führt ebenfalls Steinmeier an. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf kommt er auf einen Durchschnittswert von 2,3. Auf den Plätzen zwei und drei liegen der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit 2,2 und Finanzminister Schäuble mit 1,9. Danach folgt Merkel mit 1,7, die damit allerdings gegenüber dem Wert von 1,3 im Juni deutlich zulegt.