Im Westen bekommen die Rentner ab dem heutigen 1. Juli 4,25 Prozent mehr Geld, im Osten des Landes steigt die Rente sogar um 5,95 Prozent. Hauptgrund für die Erhöhung ist die gute Beschäftigungslage, wodurch die Einnahmen der Rentenkasse steigen.

Die Standardrente im Osten werde mit dieser Rentenanpassung gegenüber der Standardrente im Westen weiter aufholen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Alexander Gunkel. Der Abstand reduziere sich von 7,4 Prozent im zweiten Halbjahr 2015 auf 5,9 Prozent im zweiten Halbjahr 2016.

Eine völlige Angleichung sei damit aber nicht erreicht. Die Anhebung des Rentenwerts im Osten auf den aktuellen Rentenwert im Westen entspräche einem jährlichen Volumen von knapp 3,5 Milliarden Euro, so Gunkel. Die Ausgaben für die Krankenversicherung der Rentner seien hierbei berücksichtigt. Das Bundessozialministerium will bald einen Bericht über die Angleichung der Renten in Ost und West vorlegen.

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) wertete die Erhöhung als ein Zeichen dafür, dass die Renten stabil seien. Dies gebe der Politik Zeit. "Man braucht die Zeit, die wir jetzt haben, um die Zukunft richtig zu sortieren", sagte sie. Auch die Jüngeren sollten sagen können: "Das ist ein System, da verlasse ich mich drauf, das funktioniert."

"Schöne Momentaufnahme, mehr nicht"

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte indes eine Korrektur der Rentenpolitik. "Über den unübersehbaren Trend zur Altersarmut kann auch die große Erhöhung nicht hinwegtäuschen", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Es muss sichergestellt werden, dass die gesetzliche Rente nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt", forderte sie. Wichtig sei zudem, dass die Rentenabschläge von maximal 10,8 Prozent für Erwerbsminderungsrentner abgeschafft würden. Viele von ihnen hätten zu wenig zum Leben.   

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte einen "Kurswechsel". Ansonsten würden künftige Rentenerhöhungen sehr viel niedriger ausfallen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Nach geltendem Recht sinkt das Rentenniveau, die Renten verlieren bis 2030 rund neun Prozent an Wert gegenüber den Löhnen. Für einen Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren entspräche das einem Wertverlust von rund 1.500 Euro im Jahr."

Der Grünen-Rentenexperte Markus Kurth sagte: "Die aktuelle Rentenerhöhung ist für die heutigen Rentnerinnen und Rentner eine schöne Momentaufnahme, mehr aber leider nicht." Langfristig habe die Regierung kein Rezept gegen das sinkende Rentenniveau und die zunehmende Altersarmut. Es müsse eine den Lebensstandard sichernde Rente auch für jene geben, die 2030 oder 2040 in den Ruhestand gehen.

Der Linken-Experte Matthias W. Birkwald forderte sogar, "schleunigst wieder" zu einem lebensstandsichernden Rentenniveau zurückzukehren. "Im Jahr 2016 bekommt zudem eine Rentnerin in Dresden nach 45 Jahren Arbeit zum Durchschnittsverdienst immer noch 966 Euro brutto weniger Rente pro Jahr als eine Rentnerin in Hamburg."