Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von den Deutschen mit türkischer Abstammung Loyalität zur Bundesrepublik gefordert. "Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln", sagte die Kanzlerin der Passauer Neuen Presse. "Dafür versuchen wir, für ihre Anliegen ein offenes Ohr zu haben und sie zu verstehen." Das soll durch einen engen Kontakt mit Migrationsverbänden gewährleistet werden, sagte Merkel weiter.

Für alle, die in Deutschland leben, gelte die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit, sagte Merkel in Bezug auf Kundgebungen türkischer Gruppen. Allerdings müssten alle Meinungsverschiedenheiten friedlich ausgetragen werden.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei und dem anschließenden Vorgehen der Regierung gegen mögliche Unterstützer wird in Deutschland verstärkt über den Umgang mit Deutschtürken diskutiert, denen zum Teil Loyalitätskonflikte unterstellt werden. Befeuert wurde diese Debatte vor allem durch eine Pro-Erdoğan-Demonstration in Köln, bei der rund 40.000 Menschen teilnahmen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gilt in den Augen westlicher Regierungen als Autokrat, der die Demokratie in der Türkei gefährdet – die Unterstützung durch Deutschtürken ist vor allem konservativen Politikern suspekt.

Dem Moscheenverband in Deutschland, Ditib, wurde zudem vorgeworfen, als verlängerter Arm der türkischen Regierung in Deutschland zu dienen. Der Verband ist vor allem bei der Entsendung und Finanzierung von Imamen abhängig von der Türkei. Allerdings wehrt sich der Verband gegen den Vorwurf der politischen Einflussnahme. 

CDU und CSU haben sich im Zuge der Debatte zudem auf eine langfristige Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft geeinigt.