Wem nutzen die geplanten Steuerentlastungen der Union? Nicht denen, die es nötig hätten, glauben Politiker von Linken und Grünen. "Die Vorschläge des Union-Wirtschaftsflügels laufen darauf hinaus, dass die Manager mehr entlastet werden als die Mitarbeiter, die Chefärzte mehr als die Pflegekräfte. Gerecht ist das nicht", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick.

Skepsis herrscht auch, ob die Pläne der Union überhaupt finanzierbar sind. Als heuchlerisch bezeichnete sie der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) in der Nordwest-Zeitung. Die Union würde eine Entlastung ohne Gegenfinanzierung versprechen. SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe bezeichnete das Konzept als eine "populistische Luftnummer ohne Gegenfinanzierung".

Der Plan der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU sieht drei Stufen vor: Zunächst soll zum 1. Januar 2018 die Werbekostenpauschale für Arbeitnehmer auf 2.000 Euro verdoppelt werden. Ab 2019 soll der Anstieg der Steuerkurve abgeflacht werden und der Spitzensatz erst ab 60.000 Euro statt wie bisher bei 53.666 Euro greifen. Als drittes soll 2020 unter anderem der Kinderfreibetrag auf den Wert für Erwachsene angehoben werden.

Die SPD fordert, die Steuern für Geringverdiener zu senken. "Wir wollen eine klare Entlastungsperspektive für die kleinen und mittleren Einkommen schaffen", sagte der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel der Rheinischen Post. "Es muss dafür aber eine Gegenfinanzierung bei den hohen und höchsten Einkommen geben."

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Ingrid Arndt-Brauer (SPD). Die Sozialdemokraten würden dabei auch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes erwägen, sagten die SPD-Politiker. Eine endgültige Entscheidung darüber habe die von Schäfer-Gümbel und  SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil geleitete Steuerarbeitsgruppe jedoch noch nicht getroffen. Im Gespräch sei eine "nahe bei 50 Prozent" für hohe und höchste Einkommen, zitiert die Rheinische Post aus Parteikreisen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion, Gesine Lötzsch, forderte eine deutliche Erhöhung der Steuerfreibeträge. Dies sei ein wichtiges Mittel zur Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen. "Wer also die Mittelschicht wirklich entlasten will, muss den entscheidenden Schritt gehen, nämlich die Bezieher großer Einkommen wirklich zur Kasse bitten", sagte Lötzsch.