Ein Ausschnitt aus dem ZDF-Sommerinterview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel wurde bereits vor der Ausstrahlung am Sonntagabend im Netz verbreitet. Darin verteidigt Gabriel, dass er pöbelnden Neonazis vor rund zwei Wochen einen Mittelfinger gezeigt hatte. Sie hatten ihn auf einer Veranstaltung in Salzgitter als "Volksverräter" beschimpft. Auf die Frage, ob er diese beleidigende Geste bereue, sagte der Vizekanzler: "Ich habe nur einen Fehler gemacht, ich habe nicht beide Hände benutzt."

In einer Antwortmail aus der SPD-Zentrale auf Nachfragen von Bürgern hatte es kurz nach dem Vorfall geheißen: "Natürlich hält auch Sigmar Gabriel die Geste nicht für eine angemessene Form der Alltagskommunikation. Aber die war mit brüllenden und offenbar gewaltbereiten Neonazis auch nicht möglich." Diese hätten jeden Gesprächsversuch niedergeschrien.

Wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ist auch Gabriel Anfeindungen ausgesetzt. Im Sommer 2015 zog er Zorn auf sich, als er die Verantwortlichen für die Krawalle um eine Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau als "Pack" bezeichnete.

Der SPD-Chef spricht seit einigen Jahren offen über das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, der auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein überzeugter Nationalsozialist gewesen sei.

Unterstützung bekam Gabriel von wohl unerwarteter Seite, aber in provokanter Form: "Ich kann ihn verstehen. Mir geht es bei dem ganzen linken Pack genauso", twitterte der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Dafür erntete der CSU-Politiker massive Kritik und Spott im Netz. Als "Pack" hatte Gabriel im vergangenen Jahr Angreifer auf ein Flüchtlingsheim im sächsischen Heidenau bezeichnet. Rechtsextremisten und Rassisten hatten in der Kleinstadt bei Dresden Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen.

In dem Sommerinterview, das ab 19.10 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, geht es ebenfalls um die Flüchtlingspolitik Deutschlands, um das Handelsabkommen Ceta oder um die Frage, ob Gabriel bei der nächsten Bundeskanzlerwahl als Kandidat antreten will.