Im Jahr der Flüchtlingskrise 2015 kamen deutlich weniger Menschen nach Deutschland als bislang kalkuliert. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière mitteilte, wurden rund 890.000 Asylsuchende gezählt. Ursprünglich waren die Behörden von 1,1 Millionen Menschen ausgegangen.

Das Innenministerium hatte aber stets betont, dass die Zahl unter Umständen zu hoch ist – wegen Mehrfachregistrierungen und wegen unerfasster Weiter- oder Rückreisen.

So fällt es den Behörden nach wie vor schwer, die Zahl der Zuwanderer genau zu beziffern, wie auch die aktuelle Rechnung zeigt. Laut dem Ministerium wurden bislang 820.000 Asylanträge "vollständig registriert". Rund 50.000 Menschen hätten zwar den Schutzstatus beantragt, aber dann ihr Asylverfahren nicht weiter betrieben. Laut de Maizière dürften sie "in der ganz überwiegenden Mehrheit" weitergereist sein. Geblieben seien hingegen weitere 20.000 unbegleitete Minderjährige, die noch keinen Asylantrag gestellt haben.

"Die Zahl von 890.000 ist dennoch sehr hoch", sagte de Maizière. Durch eine "enorme, einzigartige Anstrengung" von Verantwortlichen in Verwaltung und Politik, aber "vor allem auch durch die großartige Unterstützung Ehrenamtlicher" sei die Herausforderung "im Großen und Ganzen" gut bewältigt worden. "Wir sind uns aber genauso einig, dass sich diese Lage im letzten Herbst nicht mehr wiederholen darf", sagte der Innenminister.

Kanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt eingeräumt, dass die Bundesregierung und die Verwaltung von dem hohen Zuzug von Zuwanderern zum Teil überrascht wurden und deshalb an einigen Stellen überlastet waren.

210.000 Flüchtlinge in diesem Jahr

Deutschland und Österreich hatten Anfang September 2015 Tausende Migranten aufgenommen, die in Ungarn gestrandet waren. Daraufhin waren Hunderttausende nach Deutschland gekommen. Später wurde die sogenannte Balkanroute geschlossen und die EU vereinbarte ein Abkommen mit der Türkei über die Rückführung von Flüchtlingen. Seitdem ist die Zahl der Zuwanderer deutlich gesunken.

Laut de Maizière seien in diesem Jahr bis zum 21. September 210.000 Flüchtlinge in der Bundesrepublik registriert worden. Die CSU fordert von Angela Merkel weiterhin eine Obergrenze von 200.000 Einwanderern pro Jahr.

Bei ihrer Ankunft in Deutschland werden Schutzsuchende zunächst im sogenannten Easy-System erfasst. Es handelt sich um ein IT-System zur "Erstverteilung von Asylbegehrenden" auf die Bundesländer. 2015 wurden in dem System bundesweit rund 1,1 Millionen Menschen als asylsuchend registriert. Die Bundesregierung betonte jedoch schon im vergangenen Jahr, bei den Zahlen seien "Fehl- und Doppelerfassungen" nicht ausgeschlossen.