Kay Nerstheimer hat nach Angaben des Vizelandesvorsitzenden Hugh Bronson schriftlich erklärt, auf seinen Platz in der Berliner AfD-Fraktion zu verzichten. Nerstheimer ist umstritten, weil er 2012 Mitglied der German Defence League (GDL) war. Der Bremer Verfassungsschutz stufte die GDL als rechtsextrem und islamfeindlich ein.

Der Lichtenberger Abgeordnete werde voraussichtlich als fraktionsloser Abgeordneter ins Parlament gehen, sagte Bronson. Zu einem möglichen Parteiausschlussverfahren gegen Nerstheimer äußerte er sich nicht. Die AfD hatte am Tag nach der Berlin-Wahl am 4. September angekündigt, ein Ordnungsverfahren gegen Nerstheimer zu prüfen.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung will sich der AfD-Bundesvorstand bei seiner nächsten Sitzung im Oktober mit dem Fall befassen.

Vorstandsmitglied Alice Weidel hatte mit Empörung auf das Bekanntwerden von rechtsextremen Äußerungen Nerstheimers reagiert, der auf Facebook Flüchtlinge aus Syrien als "einfach widerliches Gewürm" bezeichnet hatte. Diese und andere menschen- und fremdenfeindlichen Postings waren allerdings seit Jahren online. Über Asylbewerber schrieb Nerstheimer, sie seien "Parasiten, die sich von den Lebenssäften des deutschen Volkes ernähren". 2014 diskriminierte er in mehreren Facebook-Posts Homosexuelle: Sie verhielten sich "widernatürlich" und es sei "kein Verdienst diesen Gendefekt zu besitzen".

"Solche Äußerungen passen nicht in die AfD", sagte Weidel der FAZ.  "Sie schaden der Partei und schwächen uns gegenüber unseren Gegnern. Sollten wir derartiges Gedankengut in der Partei dulden, bekommen wir ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem." Das Nerstheimer zugeordnete Facebook-Profil ist mittlerweile nicht mehr auffindbar. Beobachter haben zahlreiche seiner Postings als Screenshots gesichert. Sie sind auf anderen Seiten bei Facebook oder in Tweets auffindbar.

Die AfD hat bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 14,2 Prozent der Stimmen erhalten. Die AfD-Fraktion zählt 24 Abgeordnete, Landesvorsitzender Georg Pazderski wurde zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Die AfD ist bundesweit in 10 der 16 Landtage vertreten.