Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen ein allgemeines Verschleierungsverbot ausgesprochen. Zwar sehe sie in der Vollverschleierung ein großes Hindernis für die Integration, sagte Merkel auf einer internationalen Parlamentarierkonferenz zur Religionsfreiheit. Doch gehöre zur Religionsfreiheit auch, seinen Glauben öffentlich bekunden zu dürfen – auch wenn es "uns befremden mag".

"Vor diesem Hintergrund setzen wir in der Frage eines Vollverschleierungsverbots darauf, präzise Handlungsvorgaben für die Bereiche zu machen, in denen eine Vollverschleierung nicht geboten ist", sagte Merkel. Dies sei etwa im Öffentlichen Dienst oder vor Gericht der Fall. Ansonsten aber gelte: "Gelebte Vielfalt ist die logische Konsequenz von Freiheit."

In ihrer Rede hob Merkel hervor, dass sich Deutschland verändert habe. "Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten ethnisch, kulturell und weltanschaulich vielfältiger geworden", sagte die Kanzlerin. In diesem Zusammenhang warb Merkel für religiöse Bildung, einschließlich des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts auch für Muslime. Je fundierter religiöse Bildung sei, desto größer sei das gegenseitige Verständnis.

Antisemitismus von Flüchtlingen

Die Religionsfreiheit sieht Merkel weltweit gefährdet. In vielen Ländern seien Diskriminierung und Verfolgung allgegenwärtig. Dazu komme die Gewalt extremistischer Terrororganisationen wie des "Islamischen Staats". Derzeit drohe "das Erbe des Christentums im Nahen Osten fanatischen Extremisten zum Opfer zu fallen", sagte Merkel.

An die jüdische Gemeinde in Deutschland gewandt sagte die Kanzlerin, dass sie die Ängste vor Antisemitismus durch Flüchtlinge sehr ernst nehme. Viele Flüchtlinge kämen aus Ländern mit eingeschränkter Religionsfreiheit. "In ihrer Heimat sind leider auch Antisemitismus und der Hass auf Israel allzu selbstverständlich." Deshalb sei die Vermittlung von Religionsfreiheit und Toleranz entscheidend.