Die drei in Schleswig-Holstein festgenommenen mutmaßlichen Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sollen einen Bezug zu den Attentätern von Paris gehabt haben, gab Innenminister Thomas de Maizière (CDU) auf einer Pressekonferenz bekannt: "Es spricht viel dafür, dass sie von derselben Schlepperorganisation wie die Attentäter von Paris nach Deutschland gebracht wurden." Sie seien als Flüchtlinge getarnt über die Balkanroute nach Deutschland gekommen. Ihre Reisedokumente sollen aus derselben Werkstatt wie die der Paris-Attentäter stammen. Bei den drei Festgenommenen könnte es sich laut de Maizière um eine Schläferzelle gehandelt haben.

Die drei mutmaßlichen IS-Mitglieder waren laut Bundesanwaltschaft am Dienstag bei einem Großeinsatz der Polizei festgenommen worden. 200 Spezialkräfte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei und der Landespolizeien mehrerer Bundesländer waren daran beteiligt. Nach ARD-Informationen wurden die drei Syrer in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in den Hamburger Vororten Ahrensburg, Großhansdorf und Reinfeld bei Lübeck festgenommen.

Nach der Festnahme waren die drei Männer von Hamburg nach Karlsruhe geflogen worden. Gegen einen wurde noch am Abend Untersuchungshaft angeordnet, die beiden anderen sollen ebenfalls in Kürze dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über ihre Untersuchungshaft entscheidet. Der Vorwurf gegen die Männer im Alter von 17 bis 26 Jahren lautet: Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Sie sollen im Auftrag des IS nach Deutschland gekommen sein, "um entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszuführen oder sich für weitere Instruktionen bereitzuhalten". Konkrete Aufträge gab es nach bisherigen Ermittlungen aber nicht.  

Sprengstoffausbildung, Geld und Pässe

Laut Bundesanwaltschaft verpflichteten sich die drei Verhafteten im Oktober 2015 "gegenüber einem für Operationen und Anschläge außerhalb des IS-Gebiets zuständigen Funktionär" der Dschihadistenmiliz, zusammen nach Europa zu reisen. Der 17-Jährige soll vom IS eine kurze Ausbildung im Umgang mit Waffen und mit Sprengstoff bekommen haben. Vom IS seien die drei mit Pässen ausgestattet worden. Zudem sollen sie höhere vierstellige Bargeldbeträge in amerikanischer Währung sowie Mobiltelefone mit vorinstalliertem Kommunikationsprogramm erhalten haben. Die Syrer sollen dann Mitte November über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gereist seien. 

Die Ermittlungen dauerten laut de Maizière bereits über Monate an und hätten enorme Kräfte gebunden. Dabei seien die Personen in einem großen Umfang persönlich observiert worden. Zu keinem Zeitpunkt sei aber von diesen drei Personen eine Gefahr ausgegangen, sagte der Bundesinnenminister: "Es musste nur der richtige Zeitpunkt ermittelt werden, damit auch ein Haftbefehl trägt."

De Maizière warnte davor, Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen, nur weil der IS in diesem Fall die Balkanroute nutzte, um die Männer ins Land zu bringen: "Es ist falsch, alle Flüchtlinge unter Verdacht zu stellen. Aber es gibt auch Flüchtlinge, die mit Terrorismus sympathisieren", sagte der Minister. Derzeit liefen 60 Ermittlungsverfahren gegen Flüchtlinge im Zusammenhang mit einem Terrorverdacht, die meisten hätten sich aber nicht bewahrheitet.