Berlin-Wahl - SPD beansprucht Führung der Regierung Die SPD habe einen Regierungsauftrag erhalten, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Über das Ergebnis der rechtspopulistischen AfD zeigte er sich verärgert. © Foto: Odd Andersen/Getty Images

"Berlin bleibt flüssig." "Berlin bleibt gesellig." Die Berliner SPD hat sich für die Bierdeckel auf ihrer Wahlparty besonders ins Zeug gelegt. Die Columbiahalle, ein Konzertsaal nahe dem ehemaligen Flughafen Tempelhof ist abgedunkelt, die Musik wummert. Doch so richtig in Stimmung kommen die Genossen nicht. Nur knapp 22 Prozent, das ist einfach zu wenig, auch wenn man als stärkste Partei wohl erneut den Regierenden Bürgermeister stellen wird.

Die SPD sei in Berlin keine Volkspartei mehr, sondern nur noch die größte der mittelgroßen Parteien, so erzählt es ARD-Wahlforscher Jörg Schönenborn von der überdimensionierten Leinwand auf die Genossen herab. Und genau das ist das Problem. Der alte und wohl auch neue Regierende Bürgermeister Michael Müller tröstet die Genossen in seiner kurzen Ansprache damit, dass man immerhin einige Ziele erreicht habe: vorne zu liegen und weiter die Regierung anführen zu können. 

Viel Bier fließt angesichts des schwachen Ergebnisses an diesem Sonntagabend nicht, aber mit der Geselligkeit könnte die SPD am Ende doch recht behalten. Müller ist künftig auf zwei Partner angewiesen, es läuft wohl alles auf Rot-Rot-Grün hinaus. Am Wahlabend will Müller das noch nicht bestätigen; er kündigt nur an, sich in den kommenden Wochen mit allen demokratischen Partnern zusammensetzen zu wollen.

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Tatsächlich aber hat die Berliner SPD kaum eine andere Option. Für eine Fortsetzung der großen Koalition reicht es nicht, weil SPD und CDU ihr jeweils historisch schlechtestes Ergebnis erzielt haben. Wirklich traurig sind die Genossen darüber aber nicht: Wohl noch nie hat eine Regierungspartei so gejubelt, als auf dem Fernsehbildschirm klar wurde, dass sie mit dem jetzigen Partner nicht weitermachen kann. CDU und SPD waren in Berlin zuletzt sehr zerstritten. Als Alternative zu Rot-Rot-Grün wäre aus SPD-Sicht nur eine rot-schwarz-grüne Koalition denkbar, aber das dürften die Grünen nicht mitmachen.

Rot-rot-grünes Signal aus Berlin nach Berlin

Auch dem SPD-Chef Sigmar Gabriel käme ein rot-rot-grünes Signal aus Berlin gerade recht. Schließlich will er im kommenden Jahr die große Koalition auch auf Bundesebene überwinden. Und dass die Berliner CDU mit ihrem Versuch, ein Bündnis von SPD, Linken und Grünen im Wahlkampf zu dämonisieren, gescheitert ist, dürften die Genossen genau beobachtet haben. "Keine Experimente" plakatierten die Christdemokraten und forderten die Bürger auf, daher CDU zu wählen. Das Ergebnis war miserabel.

Thomas Oppermann, Fraktionschef im Bundestag, lobt auf der Wahlparty jedenfalls schon mal pflichtbewusst die Berliner Linke: Die hätte ja bis 2011 zehn Jahre lang mit Müllers Vorgänger Klaus Wowereit regiert und das nicht so schlecht. Vor allem habe die pragmatische Hauptstadt-Linke auch fleißig den Haushalt mitkonsolidiert, sagt Oppermann. Nicht nur regieren, sogar sparen kann man also mit den Linken. 

Doch die Genossen wissen auch, dass sie in Linken und Grünen zwei selbstbewusste Partner haben werden. Im Berliner Landesparlament werden sie zusammen 51 Abgeordnete stellen, die SPD nur 35. "Es ist natürlich schwierig, wenn die beiden potenziellen Partner gemeinsam mehr Mandate haben als der Wahlsieger", sagt Ralf Wieland, bisheriger Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses und Genosse beim Bier am Tresen.

Berlin-Wahl - Grüne und Linke wollen mitregieren Die SPD wird Berlin auch die kommenden fünf Jahre regieren, und das womöglich in einem Bündnis mit Grünen und Linken. © Foto: Gregor Fischer/dpa