Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hat Sexismusvorwürfe gegen ihre Partei erhoben. "Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will", schrieb Behrends in einem Beitrag für das Onlinemagazin Edition F, der auch auf ZEIT ONLINE veröffentlicht wurde.

Gegenüber dem Tagesspiegel hat Behrends inzwischen bestätigt, dass es sich bei den Vorwürfen konkret um den Berliner CDU-Chef und Innensenator Frank Henkel handelt.  Auf einem Parteitag sei sie von Henkel als "große süße Maus" bezeichnet worden. Außerdem soll Henkel den CDU-Kollegen Sven Rissmann gefragt haben: "Fickst du die?"

Noch bevor bekannt geworden war, dass sich die Vorwürfe konkret gegen Henkel richteten, zeigte sich dieser verwundert und "auch ein bisschen enttäuscht über Inhalt und Stil dieses offenen Briefes". In einer später veröffentlichten Pressemitteilung erklärt Henkel, die CDU Mitte, für die Behrends nun auch in der BVV sitzt, hätte Quereinsteigern immer wieder eine Chance gegeben. "Wenn sich Frau Behrends mit mir austauschen will, steht ihr meine Tür wie jedem anderen Mitglied meines Kreisverbandes für ein Gespräch offen." Die Bundes-CDU wollte die Vorwürfe auf Nachfrage nicht kommentieren.

Vorwürfe auch gegen Lengsfeld

Rissmann sagte gegenüber dem Tagesspiegel: "Es gab Gerüchte, dass Jenna Behrends und unter anderem ich etwas zusammen gehabt hätten. Über diese Gerüchte haben wir uns ausgetauscht. Ich bin von mehreren Parteimitgliedern darauf angesprochen worden. Es ist möglich, dass mich Frank Henkel auch darauf angesprochen hat. Die Wortwahl ('Fickst Du sie?') kann ich nicht bestätigen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass diese Worte gefallen sind."

In ihrem Beitrag berichtet Behrends auch von einem Abgeordneten, "der besonders aktiv Gerüchte über meine angeblichen Affären verbreitetet, weil er mich offenbar als Konkurrenz sieht und Angst um seine erneute Kandidatur hat." Auch diesen Vorwurf hat die Politikerin gegenüber dem Tagesspiegel inzwischen konkretisiert: "Sehr oft bin ich von verschiedensten Parteikollegen darüber informiert worden, Philipp Lengsfeld würde Gerüchte über mich verbreiten. Ich soll demnach Affären mit CDU-Funktionären haben, um meine eigene Karriere zu befördern. Meiner Einschätzung nach sieht Lengsfeld mich als innerparteilichen Konkurrenten und will mir deshalb schaden", wird sie von der Zeitung zitiert.

Rücksichtslose CDU-Frauen

Lengsfeld weist diese Vorwürfe "ausdrücklich" zurück, räumt aber ein: "Fakt ist, dass Jenna Behrends und ich mehrmals über inhaltliche, organisatorische und persönliche Dinge Auseinandersetzungen hatten", zitiert ihn wiederum der Tagesspiegel. "Die Konflikte haben wir aber ausführlich intern diskutiert. Und ich habe mich für einen Fehler entschuldigt. Alle Punkte waren aus meiner Sicht zur beiderseitigen Zufriedenheit ausgeräumt."

Jenna Behrends, Jahrgang 1990, ist am vergangenen Sonntag für die CDU in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt worden, die Volksvertretung auf Ebene der Berliner Bezirke. 2015 war sie in die Partei eingetreten. In ihrem Text kritisierte Behrends den fehlenden Zusammenhalt von Frauen innerhalb der Partei, sie soll als "nimmersatte Karrieristin" bezeichnet worden sein. Gleichzeitig erklärte sie, dass Politik zu wichtig sei, "um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen".