Trotz massiver Kritik an seinem Generalsekretär Andreas Scheuer will CSU-Chef Horst Seehofer an diesem festhalten. "Ich sehe keine Veranlassung, den Andi Scheuer zu entlassen", sagte Seehofer am Rande der Herbstklausur der CSU-Landtagsfraktion im oberfränkischen Kloster Banz. Er sehe aber sehr wohl die Notwendigkeit für Gespräche zwischen Scheuer und seinen Kritikern, allen voran Kirchenvertretern wie dem Regensburger Generalvikar. "Es gibt einen Dialogbedarf. Wenn ein Politiker einen Dialog auslöst, muss er ihn auch führen."

Scheuer hatte in einer Diskussionsrunde die Schwierigkeiten bei der Abschiebung von Flüchtlingen mit den Worten beklagt: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier, als Wirtschaftsflüchtling, den kriegen wir nie wieder los." Neben Kirchenvertretern waren auch prominente CSU-Politiker auf Distanz zu dem Parteigeneralsekretär gegangen.  

CSU-Chef Seehofer relativierte die Debatte über Scheuers Worte als Missverständnis. Er könne aus den Äußerungen des Generalsekretärs "nicht entnehmen, dass er sich gegen die Kirchen oder Sportvereine gewandt hat und deren Arbeit, oder auch nicht gegen die Arbeit der ehrenamtlichen Bevölkerung", sagte er.    

CSU-Mitglieder ärgern sich über aggressive Sprache in der Flüchtlingspolitik

Der Ehrenvorsitzende der CSU, Theo Waigel, hatte zuvor vor dem Verprellen kirchlicher Wähler gewarnt. "Wir müssen Obacht geben, dass wir, wenn wir konservative Wähler wollen, nicht die kirchlichen Wähler verprellen", sagte Waigel der Augsburger Allgemeinen. Der langjährige Landtagsfraktionschef und ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sprach von einem "gefährlichen Entfremdungsprozess" zwischen der CSU und sozial engagierten Bürgern. "Die Gesamtpartei leidet immer wieder unter der Sprache einiger ihrer Akteure", mahnte Glück. Die scharfen Töne in der Flüchtlingspolitik könnten sich noch negativ für die Partei auswirken, denn ihre stärkste Stammwählerschaft sei kirchlich gebunden. Katholiken zweifelten bereits an der Partei. Die CSU-Vize und Landtagspräsidentin Barbara Stamm, mahnte den Generalsekretär zu Mäßigung. 

Die CSU-Politiker äußerten damit zwar ihre Sorge um die ehrenamtlich Tätigen, um die Sportvereine und um die kirchengebundenen Wähler der CSU. Besorgnis um die Flüchtlinge, die sich von Scheuer herabgesetzt fühlen könnten, artikulierte keiner in der Partei.    

Kirchenvertreter kritisieren "Stimmungsmache gegen junge Flüchtlinge"

Das übernahmen die Kirchenvertreter. Der Provinzobere der deutschen Jesuiten, Pater Stefan Kiechle, nannte Scheuers Worte "ausgrenzend und abwertend" sowie "nicht tolerierbar". Der Versuch der CSU, am rechten Rand zu fischen, werde nicht aufgehen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte gesagt, er sei "erschrocken und verärgert" über Äußerungen, die nur darauf abzielten, wie Deutschland Flüchtlinge loswerden könne: "Diese Tonlage ist nicht hilfreich."

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte gewarnt, wer so über Menschen rede, stärke allenfalls Rechtspopulisten. Der Würzburger katholische Bischof Friedhelm Hofmann warf Scheuer "Stimmungsmache gegen junge Flüchtlinge" vor: Er freue sich über jeden Jugendlichen, der als Ministrant integriert wird, "egal aus welchem Land er oder sie kommt". Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs hatte auf seiner Facebook-Seite "mehr Differenzierung statt Sport- und Kirchenschelte" gefordert und gefragt, ob es dem CSU-Generalsekretär in Wirklichkeit "nur ums Loswerden aller, ohne Rücksicht auf Asylverfahren" gehe.

Scheuer hatte seinen umstrittenen Satz noch mit der Bemerkung eingeleitet, man solle die gewählte Sprache entschuldigen (Originalton als Audio). Nach der ersten kirchlichen Kritik sprach er von einer "bewussten Zuspitzung". In der Diskussion im Regensburger Pressclub sei es um die Schwierigkeiten bei der Rückführung rechtskräftig abgelehnter Asylbewerber gegangen, wenn diese schon länger in Deutschland gelebt hätten. Bei seinem Auftritt habe er aber auch die Integrationsleistungen in den Kirchen gewürdigt.