Ausgerechnet vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wird die Christlich-Soziale Union (CSU) scharf kritisiert: Er sei "erschrocken und verärgert" über Äußerungen von CSU-Politikern, die nur darauf abzielten, wie Deutschland Geflüchtete loswerden könne, sagte Marx zum Auftakt der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda. "Diese Tonlage ist nicht hilfreich für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge."

Mit Blick auf die politische Debatte warnte Marx davor, Ressentiments gegen andere Kulturen und Religionen zu schüren. Die vielen in Deutschland lebenden Migranten brauchten das Gefühl, willkommen zu sein.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärt: "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling –, den kriegen wir nie wieder los." Diese Äußerung geht auch nach Ansicht eines bayerischen Geistlichen zu weit: Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs verlangte von Scheuer "etwas mehr Differenzierung statt Sport- und Kirchenschelte".

Nach den Wahlerfolgen der rechtspopulistischen AfD warnte Marx zudem vor aufkeimendem Nationalismus in Deutschland. "Das Wiederbeleben dieses starken nationalen Redens macht mir große Sorge", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Die populistischen Strömungen haben zugenommen. Die Suche nach Identität und Sicherheit ist Programm." Das sei ein genereller Trend in Europa. Marx mahnte: Nationalismus sei die Ursache vieler Kriege in Deutschland gewesen.

In Deutschland spüre man eine "gewisse Erregung, eine gewisse Nervosität in unserer Gesellschaft". Der Kardinal sagte: "Wir können Menschen in Not nicht den Rücken zukehren."

Horst Seehofer - "Wir brauchen Antworten, die wieder Vertrauen in der Bevölkerung zurückbringen" Es reiche auch nicht aus, die Politik besser zu erklären, sagte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer vor einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion.

Marx appellierte an die Politik, zu einer Sprache zurückzufinden, die sich an den Problemen orientiere. Als "rote Linien" für die Kirche bezeichnete der Münchner Erzbischof, dass jeder Flüchtling, der an die Grenze komme, menschenwürdig behandelt werde und ein faires Verfahren erhalten müsse. Außerdem dürfe niemand in Krieg und Verfolgung zurückgeschickt werden. Zugleich forderte der Kardinal dazu auf, auch die Erfolge bei der Aufnahme und Integration von Geflüchteten zu sehen. "Die Situation ist herausfordernd, aber es ist auch vieles in Gang gekommen", sagte er. Es gebe keinen Rückgang bei Hilfsbereitschaft und Solidarität der Bundesbürger.