Linken-Parteichefin Katja Kipping hat den Vorstoß der beiden Fraktionschefs Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht für eine gemeinsamen Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl kritisiert. "Fakt ist, das entscheidet bei uns die Partei", sagte Kipping. Dies sei intern so vereinbart worden. Die Spitzenkandidaten sollten entweder vom Parteivorstand, den Landesvorsitzenden oder über einen Mitgliederentscheid gekürt werden.

"Wir haben die beiden Bewerbungen zur Kenntnis genommen", sagte Kipping. "Und es werden auch noch weitere folgen." Es gebe verschiedene Modelle, die "gleichberechtigt diskutiert" werden. Eine Spitzenkandidatur der beiden Fraktionsvorsitzenden sei "ein Modell, es gibt aber auch andere Modelle".

Kritik kam auch von Landespolitikern der Linkspartei. "Selbstkrönungen von Spitzenkandidaten sind weder gefragt noch zu diesem frühen Zeitpunkt hilfreich", sagte Brandenburgs Linke-Chef Christian Görke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er gehe davon aus, dass gemeinsam entschieden werde, wer als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf zieht.

Auch die Thüringer Linke-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sagte der Zeitungsgruppe, dass der Parteivorstand das Vorschlagsrecht für die Spitzenkandidatur habe. Statt einem Duo solle die Partei auf ein Quartett setzen, dem auch Kipping und Co-Parteichef Riexinger angehören sollten. Auch die hessische Landtagsfraktionschefin Janine Wissler äußerte sich kritisch. "Die Parteivorsitzenden haben das Vorschlagsrecht für die Spitzenkandidatur – und das ist gut so."

Wagenknecht hatte am Mittwoch auf die Frage, ob die Linke bei der Klärung dieser Frage weitergekommen sei, geantwortet: "Da müssen wir gar nicht so viel weiterkommen." Schließlich gebe es eine "sehr naheliegende Lösung". Spitzenkandidat werde in der Regel, wer auch nach der Wahl Fraktionschef wird.

Der Schritt war parteiintern als Affront gegen Kipping und Riexinger gewertet worden. Die Aussagen waren zudem als verfrüht kritisiert worden.