Wenn Axel Schäfer Recht hat, dann geht es am 18. Oktober um ganz große Fragen. "In vielen europäischen Staaten streben Fremdenfeinde an die Macht", sagt er. "Die Existenz des europäischen Demokratiemodells steht auf dem Spiel." Schäfer ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag und ist einer der Organisatoren eines Treffens von Grünen, Linken und Sozialdemokraten.

Am 18. Oktober treffen sich jeweils 30 Abgeordnete der drei Parteien im Fraktionssaal der SPD, um Gemeinsamkeiten zu finden. Ziel ist es, die Chancen auf eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2017 zu erhöhen. Nur mit einem solchen Bündnis lasse sich der Vormarsch der Rechtspopulisten stoppen, meint Schäfer. Große Koalitionen stärken die Ränder des politischen Spektrums, das ist bekannt und lässt sich zum Beispiel in Österreich, aber auch in Deutschland beobachten. Es brauche Alternativen, meint Schäfer.

Nicht nur in der SPD gibt es Politiker, die einen Politikwechsel verzweifelt herbeisehnen. Der linke Flügel der Grünen will 2017 ein rot-rot-grünes Projekt, ebenso die Realos in der Linkspartei. Schon die Bundestagswahl 2013 ergab eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün, kurz "R2G". Doch die Unterschiede zwischen den Parteien erschienen zu groß, um ein Bündnis zu bilden. Vor allem die außen- und verteidigungspolitischen Positionen ("Raus aus der Nato") der Linken waren für SPD und Grüne untragbar.

Sollte es 2017 zu der gleichen Situation kommen, wäre der Frust groß. Darum treffen sich seit Jahren mehrere inoffizielle Runden aus Vertretern aller drei Parteien. Die Diskussionsrunde Mitte Oktober soll sie zusammenführen und bewirken, dass auch die Skeptiker miteinander ins Gespräch kommen. Es ist der erste Austausch dieser Art und soll die Diskussion auf eine neue Ebene hieven.

Doch in allen drei Parteien gibt es auch Kräfte, die die Annäherung skeptisch sehen. Bei den Grünen haben sich viele schon auf ein schwarz-grünes Bündnis mit der Union eingestellt. In der SPD fürchtet man, dass Rot-Rot-Grün zu instabil wäre: Sollte sich überhaupt eine Mehrheit dafür finden, wäre sie wohl knapp. Und die Linke gilt in der SPD als unzuverlässig. Ein paar Abweichler könnten das Bündnis schnell platzen lassen.

Die Blicke richten sich also auf die Linksfraktion und dort besonders auf Sahra Wagenknecht. Sie repräsentiert die linken Hardliner in der Partei, die eine Regierungsbeteiligung zwar offiziell nicht ablehnen, aber doch alles dafür tun, damit dieses Szenario unrealistisch erscheint. Ist das eine Rolle, die sie spielt, um den Wert der Linkspartei in die Höhe zu treiben? So stellen es manche Linke gerne dar. Oder wird sie den Weg ihrer Partei in die Regierung tatsächlich verhindern? Auch das sehen einige Linke so.

Wagenknecht tut derzeit einiges, was zu Unmut in ihrer eigenen Partei führt. Zunächst trat sie gemeinsam mit Dietmar Bartsch, der wie sie selbst Fraktionsvorsitzender ist, überraschend in einer Vorstandssitzung mit den Landesvorsitzenden auf. Beide verkündeten, dass sie die Partei zu zweit in den Bundestagswahlkampf führen wollen und dass sie für das bisher geplante Spitzenquartett mit den beiden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger nicht zur Verfügung stünden. Die Parteispitze wertet das als Affront. Denn das Recht, den ersten Vorschlag für solche Personalien zu machen, liegt beim Partei-, nicht beim Fraktionsvorstand. Allerdings weiß jeder, dass an Wagenknecht als Teil eines Spitzenkandidatenteams kein Weg vorbeiführt. Diese Position nutzt sie nun aus.