In Deutschland leben nach Angaben der Bundesregierung fast 550.000 abgelehnte Asylbewerber. Mehr als drei Viertel von ihnen haben allerdings ein zumindest befristetes Aufenthaltsrecht. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag geht weiter hervor, dass ein Großteil davon bereits seit mehr als sechs Jahren in Deutschland ist.

Die größte Gruppe stammt den Angaben zufolge mit rund 77.660 aus der Türkei. Es folgen abgelehnte Bewerber aus dem Kosovo (68.549) und aus Serbien (50.817).

Dass Asylbewerber trotz eines abgelehnten Antrags nicht abgeschoben werden, kann eine Reihe von Gründen haben. Häufig werden die Flüchtlinge von ihrem Herkunftsland nicht mehr aufgenommen – das ist insbesondere bei den Maghreb-Staaten Tunesien, Algerien und Marokko ein Problem. Schwierig wird es auch, wenn ein Flüchtling keine Papiere hat, weil er sie etwa verloren oder aus bestimmten Gründen vernichtet hat. Zudem können gesundheitliche Probleme der Grund für einen Verbleib in Deutschland sein.

Die abgelehnten Asylbewerber sind aber nicht erst in den vergangenen drei Jahren zusammengekommen. Die Zahl von einer halben Million sei "nicht die Bilanz von zwei oder drei, sondern die Summe von 40 Jahren", sagte der CDU-Abgeordnete Stephan Harbarth. Er verlangte, wie andere konservative Politiker auch, die Zahl der Rückführungen zu erhöhen. Die Zahl der Abschiebungen ist bereits deutlich gestiegen. Waren es 2015 noch 17.015, zählte das Innenministerium zum 31. Juli dieses Jahres schon 13.130.

Die meisten Betroffenen reisten aber freiwillig aus. Hier war die Steigerung noch stärker. 2015 waren es 35.514 Menschen. Sie wurden über das staatliche Förderprogramm für Rückführungen unterstützt. Bis Stand Ende Juli dieses Jahres reisten knapp 35.000 Menschen zurück.

Die Zahl der Asylbewerber steigt nach dem deutlichen Rückgang zu Jahresbeginn in der Europäischen Union wieder. In EU-Staaten beantragten nach Angaben der europäischen Statistikbehörde im zweiten Quartal 305.700 Menschen erstmals Schutz in der EU, mit 61 Prozent die meisten davon in Deutschland, das sind 187.000. Auf Platz zwei folgte Italien mit 27.000 vor Frankreich mit 17.800.  

Ungarn weit vorn

Die Zahlen waren mit dem großen Flüchtlingsandrang vor einem Jahr stark gestiegen, auf 426.000 Asylbewerber im letzten Quartal 2015. Zu Jahresbeginn wurden dann noch 287.100 registriert. In der Zeit von April bis Juni nahm die Zahl nun wieder um sechs Prozent zu.

In Ungarn stellten trotz der sehr restriktiven Flüchtlingspolitik des Landes zwischen April und Juni 14.900 Menschen einen Asylantrag. Das Land liegt damit auf Platz vier vor Griechenland mit 12.000 Asylanträgen. Die beiden Staaten hatten im zweiten Quartal die höchsten Steigerungsraten: Griechenland 132 Prozent und Ungarn 118 Prozent. Ungarn liegt auch relativ zur Bevölkerungszahl weit vorn: im zweiten Quartal auf Platz zwei hinter Deutschland, Österreich ist auf Platz drei.  

Die meisten Schutzsuchenden kommen immer noch aus dem Bürgerkriegsland Syrien: Im zweiten Quartal waren es 90.500. Aus Afghanistan stammten 50.300 Asylbewerber, aus dem Irak 34.300. Damit kamen insgesamt fast 60 Prozent aller Antragsteller aus diesen drei von Krieg und Zerstörung gezeichneten Ländern.