Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry weist Kritik an den Verbalattacken ihrer Partei zurück. "Politik ist Polarisierung und Populismus kein Schimpfwort", sagte sie im Interview mit DIE ZEIT. Angela Merkels berühmter Satz "Wir schaffen das" sei ebenfalls "höchst populistisch" gewesen. Die AfD mache "Politik fürs Volk", das gehe nicht ohne Emotionen.

Teils radikale Aussagen ihrer Parteikollegen bezeichnete Petry als "Überspitzungen", die nicht auf die ganze AfD bezogen werden dürften. "Inakzeptable Sprüche machen auch andere Parteien mal", sagte sie etwa mit Blick auf ihren Parteikollegen Thomas Rudy, der Homosexuelle als Sado-Maso-Schwule beschimpft hatte.

Im Gespräch zum Luther-Jubiläumsjahr 2017 sagte die AfD-Chefin weiter, dass sie die Errungenschaften von Reformation und Aufklärung gefährdet sehe. Damit seien Religionstoleranz, Frauenrechte, Freiheit des Staatsbürgers gemeint. Im Nahen Osten herrsche mit Ausnahme Israels allerdings keine Religionsfreiheit. Skepsis vor dem Fremden hält die AfD-Chefin für "menschlich normal".

Wissenschaftliche Studien hätten laut Petry ergeben, dass mindestens die Hälfte der Muslime in Deutschland die religiösen Gesetze über die staatlichen stelle. Viele Imame kämen aus dem Ausland, wo christliche und jüdische Traditionen diffamiert würden. Deshalb sage das Programm der AfD: Der Islam gehöre nicht zu Deutschland – "aber gut integrierte Muslime, die ihre Religion privat leben, gehören dazu".

Für Flüchtlinge gilt laut Petry zudem: "Wenn es um Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte geht, zählt Religionszugehörigkeit nicht." Die Nothilfe der Kirchen hält die AfD-Chefin für richtig, "aber allen helfen zu wollen, ist maßlos". Es sei "eine deutsche Ersatzreligion zu glauben, wir könnten allen helfen".