Die Bundeswehr weitet wegen der bevorstehenden Kämpfe um die von der der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gehaltene Stadt Mossul ihre Trainingsmission im Nordirak aus. Die deutschen Soldaten sollen kurdische Peschmerga und andere irakische Kämpfer künftig auch wenige Kilometer hinter der Frontlinie ausbilden. Das kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen während ihres Besuch im nordirakischen Erbil nur etwa 80 Kilometer von der Millionenstadt Mossul entfernt an.

"Es ist eine Frage der Effizienz, der Zeitersparnis", begründete von der Leyen ihre Entscheidung. "Wir haben das gemeinsame Ziel, dass wir die Peschmerga so gut wie möglich ausbilden, damit sie die große Aufgabe leisten, den IS endgültig auch in Mossul zu schlagen." Sie betonte, dass sich die Bundeswehr weiterhin von Kampfgebieten fernhalte: "Für uns ist oberste Priorität die Sicherheitslage."

Nach Angaben aus Bundeswehrkreisen hatten die Peschmerga darum gebeten, die Trainingseinheiten in nicht allzu großer Entfernung von den Einsatzgebieten an der Front anzubieten. Die Anfragen sollten auf Einzelfallbasis sorgfältig geprüft werden. Eine Vergrößerung der Bundeswehrtruppe im Irak und eine eine Veränderung des Bundestagsmandats ist nicht geplant. 

Die Ministerin besucht am Freitag die 140 in Erbil stationierten deutschen Soldaten. Die Streitkräfte der Kurden und der irakischen Zentralregierung in Bagdad haben die Terrormiliz "Islamischer Staat" bereits aus weiten Gebieten des Landes verdrängt. Seit Monaten bereiten sie sich auf die Mossul-Offensive vor. 

Mehr Flüchtlinge durch Mossul-Offensive

Die im Juni 2014 vom IS eroberte Metropole gilt als wichtigster Standort der Terrororganisation im Irak. Von hier aus rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi 2014 das sogenannte Kalifat aus. 

Es wird erwartet, dass die Offensive vielleicht noch in diesem, spätestens aber Anfang nächsten Jahres beginnt. Militärexperten gehen von einem monatelangen Häuserkampf aus. Hilfsorganisationen bereiten sich auf bis zu eine Million Flüchtlinge vor. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR plant deshalb den Bau von acht weiteren Camps – zusätzlich zu den bisher 16 Lagern im Nordirak. "Der Schutz der Bevölkerung muss eines der zentralen Themen sein", betonte von der Leyen am Freitag nach einem Treffen mit dem kurdischen Präsident Masud Barzani in Erbil. Nach der Befreiung von Mossul gehe es darum, Racheakte zu vermeiden und auf eine Aussöhnung der Sunniten, Schiiten und Kurden hinzuarbeiten.

Die Bundeswehr schult seit Januar 2015 im Nordirak Kämpfer der kurdischen Peschmerga-Armee sowie der religiösen Minderheiten der Jesiden und Kaka'i. Nach Angaben der Ministerin bildeten sie bislang mehr als 10.000 Kämpfer aus. Die Ausbildungsstätte Bnaslawa liegt 55 Kilometer östlich der Frontlinie. Künftig sollen kleine Trupps mit bis zu 30 Soldaten nur noch 20 Kilometer vom IS-Gebiet entfernt Mossul-Kämpfer schulen.

Im Militärcamp Bnaslawa bei Erbil bilden die deutsche Soldaten kurdische Peschmerga auch im Häuserkampf aus, die das Militär als besonders gefährlich einstuft. Auf dem Stützpunkt wurde dazu seit dem Frühjahr ein vom IS befreites Dorf originalgetreu nachgebaut – inklusive eines Grabens und Schutzwalles, die schwere Fahrzeuge abhalten sollen, sowie eines Tunnelsystems, durch das der IS seine Kämpfer verborgen vor den Augen der Gegner von einem Ort zum anderen verschieben kann. German Village – deutsches Dorf – heißt das Übungsgelände. Die Bundeswehr bilde die Peschmerga nicht speziell für den Kampf um Mossul aus, betont der Chef der 40 deutschen Ausbilder in Erbil. Die kurdischen Kämpfer könnten das Training aber natürlich für solche Einsätze nutzen.