Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat die Kooperation mit dem Islam-Dachverband Ditib beendet. Grund sind "unterschiedliche Auffassungen über die inhaltliche Ausrichtung" eines Comics in einem Präventionsprogramm für Jugendliche. Darin werde der "Märtyrertod verherrlicht", heißt es in zwei noch unveröffentlichten Antworten Jägers auf Anfragen der CDU- und FDP-Fraktion. Die Rheinische Post hatte darüber berichtet.

Ditib, der größte Islam-Dachverband in Deutschland, war Träger des Kölner Standorts des Präventionsprogramms Wegweiser, mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen.

Laut einer Erklärung Ralf Jägers habe das Innenministerium den Landesverband Ditib NRW zu einer Stellungnahme aufgefordert. In seiner Antwort an die Parlamentarier berichtet Jäger über die Stellungnahme von Ditib: "In dieser Stellungnahme konnte keine für einen Träger des Präventionsprogramms 'Wegweiser' notwendige klare Neutralität beziehungsweise ausreichende Distanz davon festgestellt werden." Für den Innenminister von Nordrhein-Westfalen verlief die Beendigung der Kooperation einvernehmlich: "Daher wurde die Auflösung des Vertrags von beiden Vertragsparteien einvernehmlich vereinbart."

Das Ende der Kooperation betreffe nur den Standort Köln. Die Suche nach einem neuen Träger laufe bereits.

Über einen Beirat ist Ditib auch an der Erarbeitung von Vorgaben für den Islamunterricht an NRW-Schulen beteiligt. Wegen zu großer Nähe zur türkischen Regierung fordert die Opposition im Land schon seit Wochen das Ende dieser Einflussnahme.
Der Ditib gehören laut Selbstdarstellung bundesweit rund 900 Moscheegemeinden an. Der Dachverband ist personell und organisatorisch eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara verwoben.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) war vor Kurzem auf Distanz zur Ditib gegangen. Die Düsseldorfer Staatskanzlei hatte vor wenigen Tagen angekündigt, sie werde die Organisation auf "Staatsnähe" zur Türkei überprüfen lassen. Die Ditib hatte eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft beantragt, was eine erhebliche Aufwertung bedeuten würde. Laut Staatskanzleichef bestehen starke Zweifel mit Blick auf eine Anerkennung.

Auch Grünen-Politiker Cem Özdemir hatte den Dachverband für seine Nähe zur türkischen Regierung kritisiert. Dieser müsse sich vom Einfluss aus der Türkei loslösen und dürfe nicht zum verlängerten Arm der türkischen Regierungspartei AKP werden.