Die Ergebnisse der Abgeordnetenhauswahl in der Hauptstadt kommentieren nationale wie internationale Medien. Zum bisher niedrigsten Wahlergebnis der SPD schreibt der Berliner Tagesspiegel über die Strategie der Partei: "Michael Müller ist mit diesem Wahlergebnis zwar innerparteilich angeschlagen, doch momentan gibt es zu ihm keine Alternative. Der SPD-Fraktionschef Raed Saleh wird warten, bis seine Zeit gekommen ist. Niemand wird jetzt putschen – die Parole heißt: Weiter so!" Auch die Süddeutsche Zeitung sieht den Sieg der SPD pragmatisch: "Für Müller bedeutet das, bei seiner ersten Wahl als Regierungschef politisch überlebt zu haben. Dass der unscheinbare, oft angestrengt auftretende Sozialdemokrat einen großen Triumph einfahren könnte, hatte ohnehin niemand erwartet."

Für die Rheinische Post "werden die Nachfolger der SED wieder die Stadt regieren". Die niedrigeren Werte für SPD und CDU erklärt sie damit, dass die Volksparteien ihr Volk verloren hätten: "Der Unmut in der Arbeiterschaft, in Fabriken und Firmen, in bürgerlichen Milieus ebenso wie in sozial schwierigen Stadtteilen" hätte sich in den Stimmen "ganz rechts und ganz links" gezeigt. Auch für den Standard aus Österreich hat der Erfolg der AfD mit der Politik der großen Parteien zu tun. Wenn Letztere "ihre Politik schon nicht ändern wollen, dann sollten sie diese dem Volk deutlich besser erklären".

Taz.die tageszeitung sieht in der möglichen rot-rot-grünen Koalition eine Chance, "dass sich SPD, Grüne und Linke nun einfach mal zusammenraufen müssen, weil alles andere zwar theoretisch möglich, politisch aber Unfug ist." Eine solche Dreierkoalition könne eine "echte Alternative für Deutschland" sein. Das neue deutschland schreibt über die Erwartungen, die an eine solche Dreierkoalition gestellt würden. Die Berliner erwarteten "das Stemmen der sozial-ökologischen Wende sowie massive Investitionen in die Infrastruktur der in vielen Bereichen heruntergewirtschafteten Stadt".

Berlin-Wahl - "AfD ist Wahlhelfer für Linksruck in Deutschland" Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner äußerte sich am Montag zu den Ergebnissen der Wahl in Berlin. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Über das zweistellige Ergebnis für die AfD schreibt die französische Zeitung Le Monde, die Partei sei nicht mehr nur noch Partei für jene Wähler in den Peripheriegebieten des ehemaligen Ostdeutschlands, sondern finde wahren Anklang in der Hauptstadt, in "Berlin, das, mehr als jede andere in Deutschland, die Weltoffenheit, Multikulturalismus und Toleranz symbolisiert". Die spanische Zeitung El País prognostiziert nach dem Wahlerfolg der AfD, dass "der Machtverlust der zwei großen Parteien" in Berlin ein Prozess sei, den bald das ganze Land betreffen werde.