Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) sieht in den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Flüchtlingspolitik eine Richtungsänderung. "Die Aussagen der Kanzlerin sind schon beachtlich. Das ist ein richtiger Ansatz", sagte Söder der Welt in einem Interview. Merkel hatte Versäumnisse in der Flüchtlingspolitik eingeräumt. Durch ihren Satz "Wir schaffen das" habe sich mancher provoziert gefühlt, obwohl der Satz nie provozierend gemeint gewesen sei, so Merkel.

Auch andere bayerische Politiker lobten Merkel. Der Bundesagrarminister und stellvertretende CSU-Vorsitzende Christian Schmidt nannte den Auftritt der Kanzlerin einen "hochrespektablen Akt". Schmidt hält in den nächsten Wochen noch große Anstrengungen für nötig, um gemeinsame Grundlagen herauszuarbeiten. "Die sind da, die sind machbar. Aber sie sind noch nicht auf der Zielgeraden", sagte der Minister. "Setzen wir uns hin." Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich sagte Focus Online, es genüge nicht, nur die Rhetorik zu ändern. Merkel müsse die Frage beantworten, wie sie etwas ändern wolle.

Söder forderte ebenfalls, dass Merkels Worten nun Taten folgen müssten. CDU und CSU müssten "gemeinsam, aber auch entschieden und entschlossen zeigen, dass wir Deutschland als Deutschland erhalten wollen", sagte er. "Da liegt noch viel Arbeit vor uns."

Streit um die Obergrenze geht weiter

Von einer Obergrenze für Flüchtlinge will Söder nicht abrücken. "Die Obergrenze ist keine Form der Rechthaberei. Der Begriff ist ein Symbol dafür, dass das bisherige System nicht funktioniert und dass es sich ändern muss", sagte er. Angela Merkel lehnt eine Obergrenze ab.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hat unterdessen einen Kompromiss zwischen CSU und CDU angeschoben. "In dem einem Punkt, wo CDU und CSU nicht beisammen sind, müssen wir jetzt zügig eine gemeinsame Sprachregelung finden", sagte Hasselfeldt der Rheinischen Post. "Ob Obergrenze, Richtwert oder Orientierungsgröße – CDU und CSU haben das gleiche Ziel: die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren und zu begrenzen."