Profitierte von Nichtwählern und Wählern anderer Parteien: Die Berliner AfD von Spitzenkandidat Georg Pazderski © Michel Kappeler/dpa

Berlin hat gewählt, die Ergebnisse von SPD, CDU, Linken, Grünen und AfD liegen im Gegensatz zur Wahl 2011 fast auf einer Linie. Hinzu kommt die FDP, die jetzt wieder ins Abgeordnetenhaus einzog. Vor fünf Jahren sah das noch deutlich anders aus. Wie bewegten sich die Wählerströme zwischen den Parteien?

Wahlberechtigt waren 2,5 Millionen Hauptstadtbewohner, gewählt haben knapp 1,7 Millionen. Die interessantesten Befunde: Die 25 neuen Abgeordneten der AfD wurden von vielen Menschen gewählt, die zur Wahl 2011 noch zu Hause geblieben waren: 69.000 bisherige Nichtwähler machten ihr Kreuz auf dem Wahlzettel bei den Rechtspopulisten. Die Partei zog aber auch Zehntausende Wähler bei den etablierten Parteien ab: Am stärksten verlor die CDU, 39.000 Wähler wandten sich ab, um für die AfD zu stimmen.

Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Auch aus dem linken Lager strömten der AfD Wähler zu: Die SPD büßte satte 24.000 ein, die Grünen immerhin 4.000. Stark an die AfD verloren hat auch die Linke – von vielen Menschen bisher nicht wegen ihrer Politik, sondern als reine Protestpartei gewählt. Sie verlor 12.000 Wähler. Und schließlich fanden auch viele enttäuschte Piraten-Wähler zur AfD. Die aus dem Abgeordnetenhaus ausgeschiedene Partei, die seit Jahren in die Bedeutungslosigkeit abdriftet, gab 12.000 Stimmen an die AfD ab.

An der Mobilisierung der Nichtwähler hat neben der AfD auch die SPD einen großen Anteil. Die Sozialdemokraten konnten 53.000 Wähler an die Urnen zurückholen, die 2011 ferngeblieben waren. Die auf 67 Prozent gestiegene Wahlbeteiligung verdankt Berlin zudem 34.000 Nichtwählern, die sich für die CDU entschieden. Weiterhin jenen 22.000 Wählern, die die Grünen überzeugen konnten.

Nicht übersehen werden darf, dass aber auch bei dieser Wahl Zehntausende zu Hause blieben, die 2011 noch wählen gingen. 46.000 frühere SPD-Wähler verzichteten auf ihre Teilnahme, ebenso 31.000 CDU-Wähler. Die drittgrößte Gruppe, die zu den Nichtwählern wurde, sind die Grünen-Wähler, gefolgt von ehemaligen Piraten-Wählern (24.000 und 22.000). 

Das Gros der Piraten-Wähler kreuzte diesmal bei der Linkspartei – 24.000 ihrer insgesamt 255.000 Stimmen kamen von dort. Der Rest teilt sich wie folgt auf: Neben der AfD wählten diesmal 13.000 Ex-Piratenwähler die Grünen, der Rest wanderte zu CDU, SPD und AfD ab.

Die nach einer parlamentarischen Pause wieder ins Parlament eingezogene FDP erhielt Unterstützung vor allen Dingen von CDU-Wählern: 31.000 ihrer 110.000 Stimmen bezog sie von dort. Die SPD gab 12.000 Wähler ab, auch von den Grünen kamen FDP-Stimmen – 9.000. Linke und Piraten sind mit zusammen etwa 6.000 an die FDP verlorenen Stimmen eher zu vernachlässigen.

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Korrektur: In einer ersten Fassung der Grafik hatten wir bei der Wanderung zur AfD die Werte für die FDP und die Anderen Parteien vertauscht. Wir haben den Fehler korrigiert.