Trotz deutlicher Verluste ist die SPD aus der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin als stärkste Kraft hervorgegangen. Den Hochrechnungen zufolge erreichten die Sozialdemokraten bei der Abstimmung laut der Hochrechnung des Instituts Infratest dimap für die ARD 21,6 Prozent. Das ist für die SPD das historisch schlechteste Ergebnis in Berlin. Die CDU kam mit 17,5 Prozent ebenfalls auf ihr bisher niedrigstes Ergebnis in der Hauptstadt. Die Grünen liegen derzeit bei 15,1 Prozent, die Linkspartei bei 15,7 Prozent und die AfD kommt auf 14,1 Prozent und ist damit erstmals im Abgeordnetenhaus vertreten. Den Wiedereinzug schafft die FDP mit 6,7 Prozent. Die Piratenpartei scheidet dagegen nach einer Legislaturperiode mit 1,7 Prozent wieder aus. Alle Ergebnisse und Reaktionen zur Berlin-Wahl lesen Sie bei uns im Live-Blog.

Auf unserer Übersichtsseite: Gewinne und Verluste, Sitzverteilung, mögliche Koalitionen

Alle Ergebnisse

Damit wird Berlin definitiv künftig von einer Dreierkoalition regiert, die wahrscheinlichste Variante ist Rot-Rot-Grün. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, dessen Partei seit 15 Jahren den Regierungschef im Roten Rathaus stellt, hatte im Wahlkampf bereits ein Zusammengehen mit Grünen und Linken favorisiert. Es wäre bundesweit die erste rot-rot-grüne Koalition unter Führung der Sozialdemokraten. In Thüringen regiert ein Bündnis dieser drei Parteien mit einem Linken-Ministerpräsidenten.

Eine Koalition mit der CDU von Spitzenkandidat und Innensenator Frank Henkel hatte Müller ausgeschlossen, die Grünen ebenso. Mit der AfD will keine der anderen Parteien zusammenarbeiten.

Die Hauptstadt bekommt durch den Einzug von AfD und FDP ein Sechsparteienparlament, wie es in dieser Kombination bisher nur in Hamburg existierte. Im Landtag von Schleswig-Holstein gibt es zwar auch sechs Parteien, dort sind aber der Südschleswigsche Wählerverband und die Piraten statt der AfD und der Linken vertreten. In Baden-Württemberg gibt es sechs Fraktionen, seit sich die AfD-Fraktion gespalten hat. In allen anderen Landtagen gibt es fünf oder sogar nur vier Fraktionen.

Die Wahlbeteiligung liegt nach derzeitigem Stand in Berlin mit rund 67 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren mit 60,2 Prozent. Schon am Nachmittag zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Bis 16 Uhr gaben 53,1 Prozent und damit mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Landeswahlleiterin mitteilte. Das waren deutlich mehr als vor fünf Jahren. 2011 lag die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt erst bei 46 Prozent. Zudem hatten diesmal so viele Menschen wie nie zuvor einen Antrag auf Briefwahl gestellt, nämlich 21,1 Prozent aller Wahlberechtigten.

Berlin-Wahl - CDU sackt auf historischen Tiefststand Die Partei von Kanzlerin Angela Merkel sackte bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus auf den niedrigsten Stand in der Hauptstadt seit der Wiedervereinigung. © Foto: Sean gallup/Getty Images

Rund 2,48 Millionen Menschen waren aufgerufen, über die mindestens 130 Sitze im Landesparlament zu entscheiden. 927 Kandidaten von 21 Parteien bewarben sich um die Mandate. Parallel dazu wurden die Kommunalparlamente in den 12 Bezirken der Hauptstadt gewählt.

Die SPD hatte sich im Wahlkampf ähnlich wie die Grünen für eine weltoffene Metropole eingesetzt, in der auch Flüchtlinge ihren Platz haben. Die CDU hatte ihren Schwerpunkt auf innere Sicherheit gelegt. Für Müller war es die erste Abgeordnetenhauswahl. Er hatte nach dem Rücktritt von Klaus Wowereit das Amt des Regierungschefs im Dezember 2014 übernommen. In seiner kurzen Amtszeit musste vor allem der enorme Flüchtlingsandrang organisiert werden. Für weltweite Schlagzeilen sorgte das Chaos bei dem zuständigen Amt Lageso.

Schlange stehen in den Wahllokalen

Wer wählen ging, musste am Sonntag immer wieder Schlange stehen: In einem Wahllokal in Kaulsdorf dauerte es am Vormittag bis zu 20 Minuten, bis man zur Urne gehen konnte. Auch in Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Pankow oder Marzahn gab es volle Wahllokale.

Regierungschef Michael Müller (SPD) gab seine Stimme in Tempelhof ab. Auch die Spitzenkandidaten Frank Henkel (CDU), Sebastian Czaja (FDP), Georg Pazderski (AfD) und Antje Kapek (Grüne) wählten bis zum frühen Nachmittag.

2011 landete die SPD mit 28,3 Prozent klar vor der CDU, die 23,3 Prozent holte. Die Grünen kamen auf 17,6 Prozent, die Linken auf 11,7 Prozent. Die Piratenpartei erreichte 8,9 Prozent, die FDP nur 1,8 Prozent.