2,48 Millionen Wahlberechtigte können heute über die Zusammensetzung des Berliner Landesparlaments entscheiden. Und offenbar will auch ein Großteil von ihnen die Gelegenheit nutzen: Vor den Wahllokalen haben sich teils lange Schlangen gebildet, Wähler berichten von hohen Wartezeiten. Nach Angaben der Landeswahlleitung haben bis zum Mittag 25,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das seien sechs Prozentpunkte mehr als bei der Abgeordnetenhauswahl 2011.

Der Tagesspiegel hat eine Straßenumfrage gemacht und selbst bei den Bürgern nachgefragt, ob sie wählen gehen und warum – oder warum nicht.

Schon jetzt ist bekannt, dass bei der Briefwahl ein Rekord verzeichnet wurde. 21,1 Prozent der Wahlberechtigten stellten dafür einen Antrag. Das deutet auf eine hohe Wahlbeteiligung hin. Nicht nur der Journalist Florian Schmidt berichtet, dass in einem Wahllokal in Zehlendorf bis jetzt mehr Menschen ihre Stimme abgegeben hätten als noch 2011, als die vergangene Abgeordnetenhauswahl in Berlin stattfand. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 60,2 Prozent.

Sollte die Zahl dieses Jahr tatsächlich höher sein, dann würde sich ein Trend fortsetzen, der schon bei den anderen vier Landtagswahlen in diesem Jahr zu beobachten war. Bei jeder der Wahlen stieg die Wahlbeteiligung. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gingen jeweils etwa zehn Prozent der Bürger wählen, die zuvor Nichtwähler waren. In den beiden Bundesländern lag die Wahlbeteiligung damit bei gut 51 Prozent. Noch höher war sie in Baden-Württemberg (66,3 Prozent) und Rheinland-Pfalz (61,8 Prozent), wo ebenfalls viele Wahlberechtigte ihre Stimme abgaben, die das zuvor nicht getan hatten.

Trotzdem freuen sich die etablierten Parteien nicht uneingeschränkt über das vermeintlich gestiegene Politikinteresse in der Bevölkerung. Mit Abstand die meisten der früheren Nichtwähler gaben ihre Stimme der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD). Bei den ersten vier Landtagswahlen dieses Jahres erhielt sie insgesamt 445.000 Stimmen aus dem Nichtwählerlager. Dahinter kommen die Grünen, sie bekamen 116.000 Stimmen. Frühere Nichtwähler machen im Schnitt etwa ein Drittel der AfD-Wähler aus.

SPD wird voraussichtlich stärkste Kraft

Je höher die Wahlbeteiligung, desto stärker die AfD? Tatsächlich wird die rechtspopulistische Partei in Berlin ein zweistelliges Ergebnis einfahren, wenn man den Umfragen vertraut. Allerdings ist aus Sicht der AfD kein so gutes Ergebnis zu erwarten wie in Mecklenburg-Vorpommern vor zwei Wochen, wo sie aus dem Stand auf 20,8 Prozent kam.  

Umfragen sahen die SPD in Berlin zuletzt trotz starker Verluste vorn. Eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU ist aber wohl nicht möglich – genau wie jede andere Zweierkoalition. Stattdessen könnte das bundesweit erste rot-grün-rote Bündnis unter Führung der SPD gebildet werden. Gegen Mittag ging auch der jetzige Regierende Bürgermeister Michael Müller wählen. Doch auch er musste Schlange stehen.

Die derzeit nicht im Abgeordnetenhaus vertretene FDP kann auf eine Rückkehr hoffen. Die Piratenpartei, die vor fünf Jahren in Berlin bundesweit erstmals in ein Landesparlament eingezogen war, fliegt dagegen voraussichtlich raus.

Die Berliner Wahlberechtigten können über 130 Sitze im Landesparlament entscheiden. 927 Kandidaten von 21 Parteien treten an. Parallel dazu werden auch die Kommunalparlamente gewählt. Eine erste Hochrechnung wird um 18 Uhr erwartet.

Sean Gallup/Getty Images
Das Ende einer Zwangsehe

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Berlin wählt. 18. September

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Zwangsehe

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Frank Henkel (CDU) und Michael Müller (SPD) haben die letzten Jahre gemeinsam regiert.

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Sehnsucht nach Wowereit?

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Unter Müller ist die SPD heute weniger cool und auch unbeliebter beim Wähler. Nur noch 21 Prozent würden die Partei laut Umfragen wählen.

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Michael Müller

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Da bringt es nur wenig, dass sich der SPD-Spitzenkandidat betont lässig auf den Wahlplakaten präsentiert.

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Richtig! Anfang September führte die CDU die Liste mit 846 zerstörten Wahlplakaten an.

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Falsch. Die AfD stimmt sich schon auf Oppositionsarbeit ein.

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Parteispende

Leider falsch. Die Partei hat in diesem Jahr noch keine größere Geldspende erhalten.

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