In Berlin zeichnet sich das bundesweit erste Regierungsbündnis von SPD, Linken und Grünen unter Führung der Sozialdemokraten ab. Nach dem vorläufigen Endergebnis gewann die SPD die Wahl zum Abgeordnetenhaus zwar vor ihrem bisherigen Koalitionspartner CDU. Die Parteien verloren zusammen aber über zwölf Prozentpunkte und fuhren ihr jeweils schlechtestes Nachkriegsergebnis in Berlin ein. Die SPD kann damit weiter regieren, muss sich aber zwei Partner suchen. Ein Zweierbündnis hat keine Mehrheit mehr.

Nach dem vorläufigen Endergebnis erreicht die SPD 21,6 Prozent (2011: 28,3). Die Union kommt mit 17,6 Prozent auf Platz zwei (2011: 23,3). Die Linkspartei erhält 15,6 Prozent der Stimmen (2011: 11,7) und wird damit noch vor den Grünen drittstärkste Kraft, die 15,2 Prozent verbuchen (2011: 17,6). Die AfD kommt auf 14,2 Prozent und sitzt nun in zehn von 16 Landesparlamenten. Die Rechtspopulisten holten am Abend fünf Direktmandate. Die FDP kehrt mit 6,7 Prozent ins Parlament zurück (2011: 1,8). Die Piraten scheitern mit 1,7 Prozent (2011: 8,9) und sind damit nicht mehr vertreten. Die Wahlbeteiligung war mit 66,9 Prozent deutlich höher als 2011 (60,2 Prozent).


Die SPD kommt damit im Abgeordnetenhaus aus 38 Sitze, die CDU erhält 31, Linke und Grüne jeweils 27 Sitze. Die AfD kommt auf Anhieb auf 25 Sitze, die Liberalen erhalten 12. Die Rechtspopulisten haben zudem rechnerisch Anspruch auf je einen Stadtratsposten in sieben Bezirken. Das gilt für Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Pankow im Ostteil der Hauptstadt, sowie für Spandau, Reinickendorf und Neukölln im Westen.

Ein linkes Bündnis in der Hauptstadt könnte ein Jahr vor der Bundestagswahl Signalwirkung haben. Führende Unionspolitiker warnten am Abend vor einer solchen Koalition. "Es gilt, eine rot-rot-grüne Regierung zu verhindern", sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Bundesweit gibt es nur  in Thüringen noch eine linke Dreierkoalition - dort sogar mit einem Linken-Ministerpräsidenten.

Gabriel: "Berlin bleibt sozial und menschlich anständig"

So eng wie in Berlin lagen in Deutschland noch nie derart viele Parteien bei einer Landtags- oder Bundestagswahl zusammen. Die fünf Parteien trennen nur 7,4 Prozentpunkte. Die Linke legte als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien zu. Die Grünen blieben unter ihrem Rekordergebnis von 2011. Beide Parteien machten deutlich, dass sie für ein Bündnis mit der SPD bereitstehen.

Für Kanzlerin Angela Merkel, deren Flüchtlingspolitik auch in der Union selbst umstritten ist, markiert der Sonntag die Fortsetzung einer Negativ-Serie: Bei allen Landtagswahlen in diesem Jahr verlor die CDU Stimmen. CDU-Spitzenkandidat und bisheriger Innensenator Frank Henkel lehnte einen Rücktritt ab. Seine Partei stehe für Sondierungsgespräche bereit.

Die SPD, die im Bund mit CDU/CSU regiert, verlor in Berlin mit knapp sieben Prozentpunkten am stärksten. SPD-Spitzenkandidat Michael Müller (51), dessen Partei seit 15 Jahren den Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus stellt, kündigte Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung mit allen Parteien außer der AfD an. "Ich sehe mehr Schnittmengen mit Grünen und Linken", so Müller. SPD-Chef Sigmar Gabriel betonte: "Berlin bleibt sozial und menschlich anständig."