Die umstrittene Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla hat sich bei dem türkischen Journalisten Can Dündar für eine beleidigende Äußerung auf Twitter entschuldigt. Er habe am Donnerstag einen Brief von Kudla erhalten, sagte Dündar dem Leipziger Lokalradio mephisto 97.6. "Ich denke, sie hat verstanden, dass sie einen Fehler gemacht hat." Details aus dem Brief wollte er nicht nennen.

Auf Anfrage des Radiosenders bestätigte Kudla, einen Brief geschrieben zu haben, wollte aber ebenfalls keine Angaben zum Inhalt machen. Kudla hatte den türkischen Regimekritiker Anfang September auf Twitter als "Cansel Dünnschiss" bezeichnet.

Kudla hatte außerdem mit einem weiteren Tweet für Empörung gesorgt, weil sie den Nazi-Begriff "Umvolkung" in der Debatte über die Flüchtlingskrise benutzt hatte. Beide Tweets wurden inzwischen gelöscht. Diesen Schritt wertete ihre Partei als Entschuldigung, weshalb Kudla innerhalb der CDU keine weiteren Konsequenzen fürchten musste.

Der frühere Chefredakteur der Oppositionszeitung Cumhuriyet, Dündar, und sein Kollege Erdem Gül waren im Mai nach der Veröffentlichung eines Artikels über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten beziehungsweise fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bis zum Berufungsverfahren im November kamen sie frei.

Dündar befindet sich derzeit in Leipzig, wo er gemeinsam mit Gül mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet wurde. Dündar bezeichnete sein Heimatland als "größtes Journalistengefängnis der Welt". Die Medien seien schweren Repressalien ausgesetzt, viele Journalisten seien in Haft. Dass Gül die Türkei nicht habe verlassen dürfen, um den Preis persönlich entgegenzunehmen, sei Beleg dafür, wie die Regierung mit Kritikern umgehe, sagt Dündar. Er selbst könne nur deshalb in Leipzig sein, weil er derzeit in Deutschland lebe.