Wenn in einem Staat, seiner politischen Öffentlichkeit und seiner politischen Klasse ein Thema als besonders wichtig und zukunftsträchtig angesehen wird, dauert es meist nicht lange, bis es zur Einrichtung eines entsprechenden Ministeriums kommt. Die Beispiele dafür sind Legion: In der alten Bundesrepublik etwa reichen sie vom 1955 eingerichteten Bundesministerium für Atomfragen, das unter Leitung von Franz-Josef Strauß die Kernkraftnutzung voranbringen sollte und später im Bundesforschungsministerium aufging, bis zum 1986 ins Leben gerufenen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das als Kind der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gelten kann und dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Bevölkerung Rechnung tragen sollte.

Auch im vereinigten Deutschland hat sich die Überführung politischer Schwerpunktsetzungen in neue Ressorts und neue Ressortzuschnitte fortgesetzt: Jüngere Beispiele sind etwa der Verbraucherschutz, der 2001 im Zuge der BSE-Krise Kabinettsrang erhielt, oder der Ausbau der digitalen Netze, der seit 2013 im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angesiedelt ist.

Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass Ressortzuschnitte nicht allein ein Ergebnis von rationalen Abwägungsprozessen sind. Oft geht es zukünftigen Regierungspartnern in Koalitionsverhandlungen darum, für bestimmte Personen ein passendes Ressort zurechtzuschneidern, um ihnen profilierende Gestaltungsmöglichkeiten zu verschaffen. Sigmar Gabriels Ambition etwa, der deutsche Energieminister zu sein, wurde 2013 durch die Überführung der Zuständigkeit für erneuerbare Energien aus dem Umweltministerium in sein Ressort fett unterstrichen. Zu einer in sich konsistenten Energiepolitik hat diese Konzentration allerdings nicht geführt.

Umgekehrt hatte Alexander Dobrindts Ehrgeiz, sich im Ressortnamen mit dem Zukunftsthema digitale Infrastruktur schmücken zu dürfen, einen sehr hohen Preis: Die Zuständigkeit für Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung verlor er an Umweltministerin Barbara Hendricks, die ihrerseits für den Verlust erneuerbarer Energien kompensiert werden musste. Eine integrale Perspektive auf Raumentwicklung und Verkehr wurde so erschwert.

Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es nur noch zwölf Monate. Zeit also, sich jenseits von parteipolitischen Überlegungen und taktischen Finessen der Frage anzunehmen, welche neuen Ressorts oder Zuschnitte sinnvoll und erforderlich sind.

Im letzten Jahr hat sich die Bundesregierung international mehrfach und verbindlich zu einer nachhaltigen Entwicklung und einem sehr anspruchsvollen Klimaschutz verpflichtet: Im August 2015 hat sie den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zugestimmt, die vorsehen, den Umgang der Menschheit mit den Naturgütern bis 2030 auf eine zukunftsfähige Basis zu stellen. Im Dezember hat sie maßgeblich an den Klimabeschlüssen von Paris mitgewirkt, die einen Anstieg der menschgemachten Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen sollen.