Der Streit um die Spitzenämter der CSU wird jetzt öffentlich ausgetragen: Nachdem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer am Wochenende erklärt hatte, eine Trennung zwischen dem Amt des Parteichefs und das des bayerischen Ministerpräsidenten sei sinnvoll, hat nun Bayerns Finanzminister Markus Söder klargestellt, dass er wenig von diesen Plänen hält. "Man kann zwar alles strategisch diskutieren, aber Horst Seehofer hat einmal selbst gesagt, dass die Kraft der CSU in der Vereinigung der beiden Ämter liegt. Das war in der Vergangenheit so und das Modell hat auch ganz gut funktioniert", sagte Söder im Bayerischen Rundfunk.

Es komme am Ende nicht auf die Ämter, sondern auf die Personen an. Das Amt des Parteichefs sei "das Ur-Amt von Franz Josef Strauß. Das ist das schwierigste und wichtigste Amt zugleich, das so große Namen wie Edmund Stoiber, Theo Waigel oder Horst Seehofer selbst inne hatten. Das sind die Titanen der CSU", sagte Söder. Das Amt des Parteivorsitzenden werde nur demjenigen anvertraut, der die Unterstützung der Parteibasis hat. "Von daher ist es falsch, jetzt über dieses Amt Personaldebatten zu führen."

Seehofer hatte in der Bild am Sonntag gesagt, er könne für die "CSU nicht ewig den Libero machen". Einmal solle er "die absolute Mehrheit in München holen und dann die bayerischen Interessen in Berlin durchsetzen", hatte der 67-Jährige beklagt.

Seehofer widerspricht damit in erster Linie sich selbst. Stets hatte er erklärt, dass die beiden Ämter in einer Person vereint sein sollten. Weil sich die politische Situation jedoch verändert habe, sei die Ämtertrennung künftig notwendig: "Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag sieben Parteien haben. Damit wir da den anderen die Stirn bieten können, brauchen wir den CSU-Chef und weitere starke Kräfte in Berlin."

Offen ist, wer nach Ansicht Seehofers als CSU-Vorsitzender in der Hauptstadt am Kabinettstisch sitzen soll. Spekuliert wird, dass Seehofer dazu Söder auserkoren hat. Der aber will nicht nach Berlin.