Tausende Menschen haben einen Tag nach der Jubiläumskundgebung der Pegida in Dresden für Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit demonstriert. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rief bei einem Bürgerfest vor der Frauenkirche vor mehreren Tausend Teilnehmern dazu auf, sich gegen das "Zerrbild" der Stadt zu wehren, das in den vergangenen Monaten durch das fremden- und islamfeindliche Bündnis entstanden sei. An zwei Demonstrationszügen des Bündnisses Herz statt Hetze beteiligten sich nach Schätzungen der Gruppe Durchgezählt zusätzlich insgesamt etwa 3.000 Menschen.

"Wir müssen einen Weg finden, der mehr ist als Demonstrationen und Gegendemonstrationen Woche für Woche auf der Straße", sagte Hilbert in seiner Rede. Die Mehrheit müsse wieder offen und glaubwürdig zeigen, "wofür wir stehen", und dürfe "die Straße nicht denen überlassen, die sie für Hetze und Rassismus missbrauchen". Wie die Pegida-Anhänger pöbelnd und krakeelend den Tag der Deutschen Einheit "in den Dreck getreten hätten", sei "abscheulich". "Diese selbst ernannten Patrioten haben sich als das entpuppt, was sie in der Spitze sind: Gegner unserer Demokratie, Gegner unseres Staates." 

Er danke ausdrücklich denjenigen, sagte Hilbert weiter, "die sich schon seit Monaten friedlich für ein anderes Bild unserer Stadt engagieren."

Tillich: Pegida ist eine "kleine, sehr schlimme Minderheit"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillch (CDU) sagte, Pegida sei eine "kleine, sehr schlimme und laute Minderheit", die "immer wieder das Ansehen dieser Stadt beschädigt". Es sei wichtig, "dass man wieder zur Sachlichkeit" zurückfinde. "Indem man pöbelt, indem man verunglimpft, indem man sich anschreit, kommt kein Gespräch zustande."

Die Veranstaltungen waren ursprünglich als Gegenveranstaltung zu der Jubiläumskundgebung von Pegida geplant. Wegen eines Streits um den Versammlungsort hatte Pegida die Kundgebung zum zweijährigen Bestehen aber um einen Tag vorverlegt. Etwa 8.000 Menschen waren dazu am Sonntag auf dem Theaterplatz vor der Semperoper gekommen.