Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen haben nach übereinstimmenden Angaben die Stadt Dabiq von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte übernahmen die Aufständischen unterstützt von türkischen Kampfjets und Artillerie die Kontrolle über die nordsyrische Ortschaft, nachdem sich die Dschihadisten von dort zurückgezogen hatten.

Den in Syrien gut vernetzten Aktivisten der Beobachtungsstelle zufolge eroberten die Rebellen auch den Ort Sawran. Die von der Türkei unterstützte Rebellengruppe Fastakim Union teilte ebenfalls mit, dass sie nun Dabiq kontrolliere. Die Stadt sei nach Gefechten mit den IS-Kämpfern erobert worden. Auf  Twitter veröffentlichte sie Bilder, die Kämpfer inmitten weißer Lastwagen zeigen, die ihre Waffen in die Luft recken. Im Hintergrund ist offenbar Dabiq zu sehen.

Die Stadt in der Provinz Aleppo unweit der Grenze zur Türkei ist zwar von geringer militärischer Bedeutung, hat für die Miliz aber einen hohen Symbolwert: Laut einer islamischen Überlieferung wird dort zum Ende aller Zeiten eine wichtige Schlacht zwischen den Muslimen und ihren Gegnern stattfinden. Auch eine Propagandazeitschrift des IS ist nach Dabiq benannt. "Der IS-Mythos der großen Schlacht in Dabiq ist erledigt", sagte Ahmed Osman, Anführer der Rebellengruppe Sultan Murad. Der IS selbst hat den Vorstoß der Rebellen auf Dabiq als "kleinere Schlacht um Dabiq" bezeichnet, der entscheidende Kampf finde erst noch statt.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Rebellen seien in Dabiq dabei, Sprengsätze zu entschärfen, die der IS beim Verlassen der Stadt deponiert habe. Dem Bericht zufolge wurden bei Kämpfen am Samstag neun syrische Rebellen getötet und 28 weitere verletzt.

Die Terrormiliz hatte in einem überraschenden Feldzug im Sommer 2014 große Landesteile in Syrien und im Irak erobert. In dem Gebiet rief der IS einen islamischen Gottesstaat aus. Neben verschiedenen Rebellengruppen am Boden kämpft auch eine internationale Allianz unter Führung der USA mit Luftangriffen gegen den IS. Die Terrormiliz verlor durch die ständigen Angriffe zuletzt viel Territorium. Nach Angaben von US-Experten verringerte sich das Gebiet des Kalifats von etwa 90.800 Quadratkilometern Anfang 2015 auf aktuell 68.300 Quadratkilometer.

Offensive auf Mossul steht kurz bevor

Zudem bereitet die irakische Armee seit Wochen eine Offensive auf die Stadt Mossul vor. Mossul ist die wichtigste Stellung des IS im Irak. Die Armee warf Flugblätter über der Stadt ab, um die Bevölkerung zu warnen. Aus Dokumenten des Militärs geht hervor, dass am Sonntagabend Zehntausende Flugblätter über der Stadt im Norden des Landes abgeworfen werden sollen. Darin werde der Bevölkerung erklärt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen keine Zivilisten zum Ziel habe. Die Einwohner sollten daheim bleiben und sich von bekannten Häusern der radikalislamischen Kämpfer fernhalten.

Nach Angaben der Regierung und des Militärs könnte der Angriff auf die letzte große Hochburg des "Islamischen Staates" im Irak noch im Oktober beginnen. Es wird mit erbitterten Kämpfen gerechnet. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, er hoffe, dass die USA und ihre Verbündeten alles täten, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden.

Die USA und ihre Verbündeten unterstützen in Syrien die Rebellen, Russland die Führung in Damaskus unter Staatschef Baschar al-Assad. Am Samstag hatte es in Lausanne Syriengespräche zwischen den USA, Russland und den wichtigsten Ländern der Krisenregion gegeben. Teilgenommen hatten unter anderem auch die Türkei, der Iran, Saudi-Arabien und der Irak sowie der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura. In London wollte sich US-Außenminister John Kerry am Sonntag mit seinen europäischen Kollegen, darunter der britische Außenminister Boris Johnson und der französische Chefdiplomat Jean-Marc Ayrault, treffen. Eine Einigung auf Waffenruhe konnte nicht erzielt werden. Die Teilnehmer einigten sich jedoch auf eine Fortsetzung der Gespräche.