Die Obduktion des Leichnams von Jaber al-Bakr hat ergeben, dass der 22-jährige Syrer durch Erhängen starb. Das teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig am Freitag mit. Eine Fremdeinwirkung wurde nicht festgestellt. "Im Ergebnis der bisher durchgeführten Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft Leipzig davon aus, dass der Verstorbene Suizid begangen hat", so Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Al-Bakr war nach einer bundesweiten Fahndung in der Nacht zum Montag wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen worden. Zuvor waren in einer von ihm genutzten Wohnung in Chemnitz eineinhalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden worden.

Al-Bakr soll einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant sowie Verbindungen zum IS gehabt haben. Am Mittwochabend erhängte er sich in seiner Zelle in Leipzig mit dem T-Shirt seiner Anstaltskleidung.

Bundesregierung kritisiert Sachsen

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) räumte am Freitag nach Al-Bakrs Selbstmord Fehler ein. "Der Suizid hätte verhindert werden müssen, in jedem Fall", sagte er im Bundesrat. Vor Journalisten sagte Tillich: "Der Umgang mit dem des Terrorismus bezichtigten Häftlings ist nicht in dem Maße erfolgt, wie es notwendig gewesen ist."

Er sei bereit für unabhängige Aufklärung. "Einer Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission stehen die sächsische Staatsregierung und ich persönlich offen gegenüber", sagte Tillich in der Länderkammer. Eine solche Kommission oder einen Untersuchungsausschuss hatte die Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestags, Renate Künast (Grüne), verlangt.

Anhand der Ermittlungsergebnisse müsse genau geprüft werden, "ob wir Gesetze und Vorschriften anpassen müssen", sagte Tillich. "Diese Fragen will ich von meinem Kabinettsmitglied, Justizminister Sebastian Gemkow (CDU), beantwortet haben." Forderungen nach einem Rücktritt Gemkows lehnte Tillich ab. Tillich wies weitere Vorwürfe etwa der Linken zurück. "Von Staatsversagen in Sachsen zu sprechen, ist eine sehr weitgehende Kritik", sagte er. "Öffentliche Sicherheit und Ordnung funktionieren in Sachsen." Das belegten auch die Erfolge bei der Verfolgung extremistischer Straftaten.

Die Bundesregierung kritisierte die sächsische Justiz deutlich. Wenn es in einer Justizvollzugsanstalt zu einem Selbstmord komme, "dann ist etwas schiefgelaufen, dann sind Warnzeichen nicht frühzeitig erkannt worden, dann sind Fehleinschätzungen vorgenommen worden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Nun sei eine rasche Aufklärung gefragt.

Ein "anderer Tätertypus"

Sachsens Justizminister Gemkow sagte am Freitag im Deutschlandfunk, er werde nicht zurücktreten "weil es auch ein Stehlen aus der Verantwortung wäre". Er räumte aber ein: "Heute würden wir einiges anders machen."

Die Experten in der JVA hätten nicht so wirklich gewusst, wen sie vor sich hatten, sagte Gemkow. Sie hätten von den Ergebnissen der Ermittlungen über einen verhinderten islamistischen Anschlag keine Kenntnis gehabt. Nur aus den Medien hätten sie davon erfahren. Der Minister sagte, es gebe ihm zu denken, dass man es hier mit einem "anderen Tätertypus" zu tun gehabt habe. Die Bediensteten hätten sich auf ihre Erfahrung verlassen müssen. "Im Nachhinein wissen wir natürlich mehr."

Die drei Syrer, die Al-Bakr gefesselt der Polizei in Leipzig übergeben hatten, erhalten nach eigenen Angaben Morddrohungen von Sympathisanten der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Polizei schütze sie aber nicht, sagten die Männer der Bild-Zeitung. Der Terrorverdächtige soll vor seinem Suizid in der Untersuchungshaft ausgesagt haben, die Syrer hätten von seinen Anschlagsplänen gewusst. Einer der Flüchtlinge sagte, Al-Bakr habe sich an ihnen rächen wollen, weil sie ihn der Polizei übergeben hatten. Die Ermittler hatten die Männer am Montag vernommen.

Kurz erklärt - Suizide in deutschen Gefängnissen Seit deutsche Ministerien und Haftanstalten mehr auf die Prävention von Suiziden von Häftlingen achten, ging die Zahl der Selbsttötungen zurück. Erst seit Kurzem ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.