Die missglückte Fahndung und der Suizid des terrorverdächtigen Syrers Jaber Al-Bakr in einem Leipziger Gefängnis sollen von unabhängigen Experten untersucht werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird eine entsprechende Kommission gebildet, deren Mitglieder aber noch nicht feststünden. Die externen Kandidaten sollen über möglichst große Erfahrung bei Ermittlungen im Zusammenhang mit internationalem Terror verfügen.

Die Kommission soll demnach für die sächsische Staatsregierung einen schriftlichen Bericht über den gesamten Fall erarbeiten – von der ersten Information der Bundesbehörden über den Terrorverdacht an die sächsische Polizei bis zur Selbsttötung Al-Bakrs am vergangenen Mittwoch in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig.

Vor einer Woche war Al-Bakr in Leipzig festgenommen worden, nachdem eine Festnahme in Chemnitz zuvor gescheitert war. In Leipzig hatten Landsleute ihn erkannt, überwältigt und der Polizei übergeben. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte Al-Bakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitgehend vorbereitet. Der Anschlag sei binnen Tagen möglich gewesen, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zwei Tage nach seiner Festnahme nahm sich Al-Bakr in seiner Zelle das Leben, wie die sächsischen Behörden mitteilten. Demnach hat er sich mit seiner Gefängniskleidung stranguliert. Eine akute Suizidgefahr hatte die JVA Leipzig jedoch nach eigenen Angaben nicht gesehen.

Die sächsische Regierung war nach dem Tod Al-Bakrs heftig kritisiert worden, auch vom eigenen Koalitionspartner. Vizeministerpräsident Martin Dulig (SPD) sprach von einer "Reihe von Fehleinschätzungen sowohl über die Bedeutung als auch den Zustand des Gefangenen". Zudem gab es aus den Reihen der Linken, der Grünen und der FDP Rücktrittsforderungen gegen Justizminister Sebastian Gemkow und Innenminister Markus Ulbig (beide CDU).

Am Freitag hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Fehler der Behörden eingeräumt und einer externen Untersuchung der Vorfälle zugestimmt. Auch Gemkow räumte später ein, dass die Justiz nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. Einen Tag nach dem Suizid hatte er gesagt, er übernehme selbstverständlich die politische Verantwortung für das Geschehen. Für einen Rücktritt gebe es jedoch momentan keinen Anlass.