Der Greifswalder Oberstaatsanwalt Sascha Ott war bis zum gestrigen Freitag designierter Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern. Doch kurz vor dem heutigen Landesparteitag entschied sich der scheidende Parteichef Lorenz Caffier gegen ihn. Die Begründung: Ott habe zumindest bis Donnerstag die Facebook-Seite der AfD Nordwestmecklenburg sowie mehrere Beiträge der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit auf Facebook geliked. Das berichteten zunächst die Ostsee-Zeitung und der Nordkurier. Laut FAZ hat Wirtschaftsminister Harry Glawe, ebenfalls CDU, den Vorgang mittlerweile bestätigt.

Die Likes hatten offenbar nicht nur in der Landes-CDU, sondern auch beim Koalitionspartner für Verstimmungen gesorgt. Die Schweriner Volkszeitung zitiert den Sprecher der SPD-Landtagsfraktion mit den Worten: "Herr Ott wäre gut beraten, zügig für Aufklärung zu sorgen, warum ihm ausgerechnet die Facebook-Seite der AfD Nordwestmecklenburgs gefallen hat."

Der Vorsitzende des Richterbundes Mecklenburg-Vorpommern, Axel Peters, sagte der Zeitung, CDU und SPD müssten sich fragen, wie es um Otts "Treue zur eigenen Partei bestellt ist". Die AfD habe erhebliche Strömungen, "die ich rechtlich kritisch sehe". Deshalb sei es aus Sicht des Richterbundes befremdlich, wenn der Justizminister eine Nähe zur AfD habe.

Die Kanzlerin war dabei

An der Sitzung des CDU-Landesvorstands, in der über die Personalie entschieden wurde, nahm auch Kanzlerin Angela Merkel teil. Mecklenburg-Vorpommern ist der Heimatverband der CDU-Bundesvorsitzenden. Auch Merkel habe Ott "fallen gelassen", heißt es in der Ostsee-Zeitung. Nun soll die Rostockerin Katy Hoffmeister neue Justizministerin werden.

Möglicherweise war aber nicht nur der Like für die AfD verantwortlich für die Absage an Ott. Der Nordkurier spekuliert, Ott könne auch parteitaktischen Erwägungen zum Opfer gefallen sein. Insbesondere die Frauen Union habe kritisiert, dass alle drei Ministerposten der CDU im Land an Männer gehen sollten.

Auf der fraglichen Facebook-Seite der AfD heißt es mittlerweile, Ott sei eingeladen, in die AfD einzutreten. Seine Likes für die CDU dürfe er auch behalten. Etwas weiter unten findet sich der Beitrag eines Parteianhängers, der Geflüchtete als "Gesindel" bezeichnet.