Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig hat zu einem verstärkten Kampf gegen Sexismus in Politik und Gesellschaft aufgerufen. "Ich würde mir wünschen, dass auch mehr Männer das Wort erheben gegen Sexismus", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Kein Mann kann wollen, dass seine Partnerin oder seine Tochter so behandelt wird."

In der CDU kam es kürzlich zu einer öffentlichen Diskussion über Sexismus und Mobbing, nachdem eine Berliner Kommunalpolitikerin Parteikollegen öffentlich Sexismus und Verleumdungen vorgeworfen hatte. Schwesig sagte in dem Interview, es sei "gut und mutig", dass Frauen sexistisches Verhalten öffentlich machten. Sexismus sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, sechs von zehn Frauen seien hierzulande davon betroffen.

Die Grenze sei überschritten, "wenn Sprüche oder Handlungen die Persönlichkeit verletzen, wenn die Frau auf das Sexuelle reduziert wird", erklärte Schwesig. "Viele denken ja, bei Altherrenwitzen soll man sich nicht so haben. Aber diese Haltung ist nicht akzeptabel." Sie sei ein Ausdruck mangelnder Wertschätzung und fehlender Gleichberechtigung.

Schwesig gegen Gesetzesverschärfungen

Auch sie selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ihr Äußeres thematisiert worden sei und nicht die politischen Inhalte, für die sie stehe, sagte Schwesig. In ihrem Fall werde ihr das aber nicht "offen ins Gesicht" gesagt, sondern das stehe eher in der Zeitung. So sei sie als "Küsten-Barbie" betitelt worden und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) habe über sie gesagt, sie solle nicht so weinerlich sein. Das sei "nichts Weltbewegendes, aber damit fängt es an", sagte Schwesig.

Die Ministerin widersprach ihrer Amtsvorgängerin Kristina Schröder (CDU), die vor einer sterilen Gesellschaft gewarnt hatte, in der vorschnell Sexismus-Vorwürfe erhoben werden. "Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht", sagte sie. Schwesig wandte sich aber gegen Rechtsverschärfungen, etwa einen neuen Strafrechtsparagrafen "Sexuelle Beleidigung".