Der Selbstmord des Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig hätte womöglich verhindert werden können, wenn das Gefängnis mehr Dolmetscher zur Verfügung gehabt hätte. Doch weil das Land Sachsen an Übersetzer-Honoraren spart, standen dem Gefängnis in den letzten 32 Stunden vor dem Suizid keine Dolmetscher zur Verfügung. Das ergaben Recherchen der ZEIT.

Das Land Sachsen zahlt demnach 50 Euro pro Dolmetscher-Stunde und damit weit weniger, als das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz für solche Aufträge vorsieht. Dort sind mindestens 70 Euro festgelegt.

Mehrere freiberufliche Dolmetscher aus Leipzig berichteten der ZEIT, von Mitarbeitern der JVA angerufen worden zu sein. Aufgrund des geringen Honorars hätten sie den Auftrag zum Übersetzen abgelehnt. So standen dem Gefängnis in den letzten 32 Stunden vor dem Suizid keine Dolmetscher zur Verfügung. Die einzigen Dolmetscher, die tatsächlich in die JVA kamen, saßen bereits am Tag vor dem Suizid dem Häftling Al-Bakr gegenüber.

"Es ist wohl was dran an dem Vorwurf, dass die Honorare zu gering sind", sagt der Leiter der JVA Leipzig, Ralf Jacob, der ZEIT. Das sächsische Justizministerium äußerte sich bis zum Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen.

Der syrische Terrorverdächtige Jaber al-Bakr wurde am vergangenen Mittwochabend um 19.45 Uhr tot in seiner Zelle in der Justizvollzuganstalt Leipzig aufgefunden. Er hatte sich mit seinem T-Shirt an einem Zwischengitter erhängt. Nach Angaben des Leiters des Gefängnisses konnte zunächst kein ausführliches Aufnahmegespräch mit Al-Bakr geführt werden, weil er dazu nicht ausreichend Deutsch gesprochen habe und kein Dolmetscher verfügbar war. Eine akute Suizidgefahr, die es gerechtfertigt hätte, ihn in einem besonders gesicherten Haftraum unterzubringen, habe es nicht gegeben.

Seit dem Selbstmord von Albakr stehen Polizei und Justiz in Sachsen in der Kritik. Sachsens Innenminister Sebastian Gemkow verteidigte die Mitarbeiter der JVA Leipzig und verwies auf die Einschätzung der Psychologin, wonach kein akuter Fall von Suizidgefahr vorgelegen habe.