Erstmals seit Beginn der Ukraine-Krise vor mehr als zwei Jahren empfängt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Berlin. Zusammen mit den Staatschefs der Ukraine und Frankreichs, Petro Poroschenko und François Hollande, nimmt Putin am Mittwochabend an einem Gipfeltreffen zum Friedensprozess in der Ostukraine teil. Merkel und Hollande wollen mit ihm aber auch über die eskalierende Gewalt in Syrien sprechen.

Die Kanzlerin dämpfte die Erwartungen an die Gespräche: "Sicher darf man von dem Treffen morgen keine Wunder erwarten", sagte sie. "Aber sprechen ist immer wieder notwendig, auch wenn die Meinungen sehr stark auseinander gehen." Sie wolle jede Möglichkeit ausschöpfen, um zu versuchen, Fortschritte zu erzielen, sagte Merkel. "Es geht um eine Bestandsaufnahme, auch schonungslos, wo sind wir."

Putin war zuletzt 2013 zur Hannover Messe in Deutschland, der letzte Berlin-Besuch liegt vier Jahre zurück. Die Annexion der Krim und der Bürgerkrieg zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen in der Ostukraine belasten die Beziehungen zu Europa und den USA erheblich.

Hinsichtlich des Syrien-Konflikts machte Merkel Russland schwere Vorwürfe: "Die Situation ist noch desaströser geworden, was die humanitäre Lage anbelangt, und das ganz klar durch syrische und russische Luftangriffe auch auf hilflose Menschen, Krankenhäuser, Ärzte." Angesichts dieser Situation könne man jetzt keine Option vom Tisch nehmen – auch nicht die der Sanktionen. "Aber Vorrang hat jetzt erst einmal, dass wir gucken müssen, das Leid der Menschen in irgendeiner Weise zu lindern."

Im Zentrum des Treffens in Berlin steht aber die Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarungen. Mit den Abkommen von 2014 und 2015 – unterzeichnet in der weißrussischen Hauptstadt Minsk – versuchen Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine den Krieg zu beenden. Sie sehen einen Waffenstillstand, den Abzug schwerer Waffen von der Front und Wahlen in den Separatistengebieten vor. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten.

Wegen des Konflikts in der Ukraine hat die EU bereits Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Außenminister der EU-Staaten konnten sich am Montag jedoch nicht auf eine gemeinsame Position zu möglichen weiteren Strafmaßnahmen wegen des Syrien-Kriegs einigen. Russland, das das Regime von Syriens Präsident Baschar al-Assad unterstützt, wurde lediglich noch einmal aufgefordert, an einer friedlichen Lösung mitzuarbeiten und Hilfslieferungen nach Aleppo zu ermöglichen. Für weitere Sanktionen hätte es eine einstimmige Entscheidung geben müssen.

Russland und Syrien kündigten an, die Luftangriffe auf Aleppo vorerst einzustellen. "Die Unterbrechung ist für die achtstündige humanitäre Pause nötig, die für diesen Donnerstag geplant ist", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu der Agentur Tass.