Sahra Wagenknecht hat vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Aussprache geworben. Es sei richtig, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, sagte die Chefin der Linken-Fraktion. "Ein Konfrontationskurs gegenüber Russland schadet Deutschland und gefährdet den Weltfrieden", sagte Wagenknecht. "Drohgebärden, Sanktionen, weitere Aufrüstung oder eine Ausweitung des militärischen Engagements lösen kein Problem, sondern schaffen immer neue. Das gilt für die Ukraine wie für Syrien."

Zu Gesprächen über die Ukraine-Krise und den Krieg in Syrien werden am heutigen Mittwoch auch Frankreichs Präsident François Hollande und der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko in Berlin erwartet. Vor dem Treffen schloss Merkel neue Sanktionen gegen Russland nicht aus.

Strafmaßnahmen hält wiederum der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, für unangebracht. Der SPD-Politiker begründete seine Einstellung mit dem Stopp der russischen Bombardements auf das syrische Aleppo und mit der für Donnerstag geplanten Feuerpause.

Merkel dämpft Erwartungen vor Treffen

Die sehr breite Kritik an Russland habe zu diesem Schritt in Syrien beigetragen, sagte Erler. "Das ist nicht unbedingt ein Argument für die Sanktionsbefürworter, die das Problem haben, zu erklären wie Sanktionen kurzfristig wirken können." Stattdessen hätten andere politische Maßnahmen Wirkung gezeigt. "Meines Erachtens ist damit zumindest vorläufig das Thema Sanktionen im Zusammenhang mit Syrien vom Tisch", sagte Erler.

Die Kanzlerin dämpfte die Erwartungen an die Gespräche: "Sicher darf man von dem Treffen morgen keine Wunder erwarten", sagte sie am Dienstag. "Aber sprechen ist immer wieder notwendig, auch wenn die Meinungen sehr stark auseinandergehen." Sie wolle jede Möglichkeit ausschöpfen, Fortschritte zu erzielen, sagte Merkel. "Es geht um eine Bestandsaufnahme, auch schonungslos: Wo sind wir."

Putin war zuletzt 2013 zur Hannover Messe in Deutschland. Der letzte Berlinbesuch liegt sogar vier Jahre zurück. Die Annexion der Krim durch Russland und Moskaus Unterstützung der Separatisten im Bürgerkrieg in der Ostukraine hatten zu einer Eiszeit in den Beziehungen zum Westen geführt.

Grüne fordern "vernehmbare Kritik"

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sagte vor dem Treffen mit Blick auf neue Sanktionen gegen Russland: "Das hängt natürlich von Putin ab. Wenn er endlich Anstrengungen für den Frieden in der Ukraine und in Syrien zeigt, gibt es auch keine Notwendigkeit, über Sanktionen zu sprechen." Allerdings müsse die Bundesregierung "klar vernehmbare Kritik" an Putins falscher Politik üben. Das bedeute keinen Abbruch, sondern eine Verstärkung des Dialogs.